Aus der Werkstatt

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And now for something completely different!

Eingeweihte wissen, dass der @mucradblogger gern mal an altem Gerät herumschraubt. Um nicht dauernd nur herumzunörgeln, dachte ich mir, ich gebe Euch mal einen kleinen Werkstattreport.

Ein normaler Tag in der Klassikergarage

Erste Aufgabe: Seit Jahren verstaubt in einer mitteldunklen Ecke meiner Verliese ein Zeitfahrrad aus der legendären Textima-Manufaktur, die in ihrer Zeit die DDR-Elite ausstattete. Jetzt hat sich ein echter Liebhaber für den Rahmen gefunden und er soll verschickt werden. Also die Werkzeuge gezückt, die Lenden gegürtet und ran ans Zerlegen!

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Das Textima (künstlerische Interpretation)

Teil 1: die widerspenstige Kurbel

Eigentlich eine leichte Aufgabe. Das Rad hat wohl nur wenige km gesehen und war offensichtlich von einem Fachmann aufgebaut – alles mustergültig gefettet und so weiter. Die potentiellen Problemstellen wie Vorbau, Stütze sprangen mir förmlich in die Hand. Ausnahmsweise unterließ ich sogar meine Lieblings-Abbau-Fehler (z.B. Laufräder + Gabel entfernen, bevor man die Pedale abschraubt…)

Es ging wie beim Semmelbacken: Kette runter, Schaltung ab, Bremsen weg, Sache von 15 Minuten. Sogar daran gedacht, die innenverlegten Züge drin zu lassen. Säuberlich mit Panzerband am Rahmen fixiert, man ist ja nett zu seinen Kunden.

Linke Kurbel ab, dann die Rechte, gleich fertig. Aber hat sich was mit „gleich fertig“: sie will nämlich nicht, die Rechte. Der Abzieher geht auf Block und Ende. Jetzt habe ich schon mal eine gute Victory-Kurbel wegen einer vergessenen Beilagscheibe vom Abziehgewinde befreit, deswegen bin ich da etwas grundnervös. Die Linke hatte keine Probleme gemacht, und normalerweise zieht der Mechaniker ja nicht links normal an und rechts wie ein Ochse.

Also: Abzieher wieder runter. (Nervig, mein Abzieher hat zweierlei Schlüsselweiten und ich mache so was mit einem großen Franzosen wegen Hebel). Aber da ist keine vergessene Beilagscheibe. Also wieder drauf das Ding (Immerhin das Gewinde ist gut) und mehr Schmalz.

GRRRMMMMMMMMMMBL… geht nicht ab. Zu Glück fotografiert mich keiner, wäre ein Bild für Götter, weil ich gleichzeitig mit einem Fuß den labberigen Kettler-Montageständer davon abhalten muss, Salto zu schlagen. Verf…. das *muss* doch aufgehen… noch mehr Einsatz, der Schlüssel bewegt sich – ganze drei Bogenminuten. Dann Block, absolut, wie angeschweißt – wobei ich schon Schweißnähte gesehen habe, die das nicht ausgehalten hätten. Die Handflächen sind inzwischen Negativ-Abdrücke der vermaledeiten schmalen Schlüsselgriffe.

Nachdenkpause. Ist der Stempel des Abziehers größer als das Vierkant-Loch der Kurbel und drückt deswegen aufs Alu statt auf die Achse? Abzieher wieder runter mit ähnlichem Gewalteinsatz… nö, kein Abdruck zu sehen (und warum auch, auf der anderen Seite ging’s ja….)

Irrwege

Kurz spiele ich mit der unheiligen Idee, Innenlager und Kurbel dem neuen Besitzer als Dreingabe zu vermachen, aber erstens habe ich nichts gegen ihn persönlich, und zweitens brauche ich das Lager eigentlich für ein anderes Rad. Also nix da, Aufgeben ist für Weicheier.

Noch ein Versuch, beide Schlüssel mit Lappen umwickelt: Wieder eine Bogenminute herausgeholt. Allmählich bekomme ich Angst um Rahmen, Kurbel und Ischiasnerv. Diesmal bekomme ich den Abzieher fast nicht mehr runter.

Ob man da mit dem Dreiarm-Abzieher hinkommt…?! Nö, natürlich nicht, das ist eine alte Ultegra, die läßt fette 3 mm Luft zum Rahmen, da bekommt man ein Pergamentpapier dazwischen, aber keinen Abzieher.
Ob man das Tretlager mit Kurbel dran abkriegt?! Zu 2/3 ja, die Gegenschale flutscht fein heraus, der Ring läßt sich lösen, aber die rechte Kappe geht natürlich ums A..lecken nicht mit den Fingern zu schrauben. Für den Stiftschlüssel ebenso natürlich wieder kein Platz. Alles wieder drauf, zurück ans gedachte Zeichenbrett. Das muss doch…

Hilf Gewalt nicht, hilft noch mehr Gewalt

Schließlich die Erleuchtung:

Erstens: Überzählige Kurbelschaube vom Kopf befreit und eingedreht in die Welle – vielleicht geht der Stempel vom Abzieher doch aufs Alu…. überprüft an der linken Kurbel— es *ist* verdammt knapp… Zweitens: Schonbacken in den Schraubstock, ganzes Rad auf die Werkbank, JUCHEI, die Kurbel kommt genau auf der richtigen Höhe zu liegen. Quer in den Schraubstock gespannt das Ding, und…. jetzt ging’s (recht leicht sogar). Warum, weiß der Geier. Bonus: Alles kratzerfrei.

Teil 2: Klassikerrestauration ist Detailarbeit!

Mein Bedarf an roher Gewaltanwendung war erst einmal gedeckt, deswegen habe ich zur Entspannung einen Marchisio-Schraubkranz gewartet.

Ihr Jungvolk kennt das nicht mehr, solche Kränze besprühen den, der blöd genug ist, sie aufzuschrauben (Als Deppensicherung Linksgewinde) mit 100 Kügelchen der Größe 3 mm, von denen man beim Aufmachen bei Einhaltung aller bekannten Tricks bis zu einem Drittel aufzufangen in der Lage ist. Gerne gefolgt von den lose eingelegten Sperrklinken und deren mikroskopischen Federchen (Halt! Da ist eine! – oh, war doch bloß eine Wimper).

giphy

Zerlegen eines Schraubkranzes (Abb. ähnlich)

34 Kügelchen im Auffang-Lumpen, die anderen 66% tanzen lustig auf dem Werkstattboden gen Gully (Werkstatt war mal Waschküche). Auf-allen-Vieren-Herumgekrochenes Intermezzo – so stelle ich mir Ostern in Liliput vor.

 

Nach reichlich verstrichener Zeit die Bestandaufnahme: Was einmal 100 waren, sind jetzt 95 – ein bißchen Schwund ist ja immer. Die Kugeln liebevoll einzeln gesäubert, gesalbt und gepudert, mit Lupe, Pinzette und Hanseline Weiß an die richtige Stelle gepappt, die Freilaufklinken mit ingeniöser filigran-Fadenschlingtechnik niedergezwungen (wo war gleich meine vierte Hand), Kranz auf Stock gesetzt mit der Sorgfalt eines Sprengmeisters, der ein ganz arg instabiles britisches Weihnachtsgeschenk von ’44 verarztet, denn wenn man eins der Kügelchen auch nur schief ansieht, wird es sich verkrümeln,mit Vorliebe dahin, wo es die Freilaufsperre blockiert. Nicht zittern, nicht schauen, nicht atmen – Deckel axial aufschrauben (Ein Schwyyzer Uhrmacher ist ein Dreck gegen mich)… schon nach wenigen dutzend Versuchen (Linksgewinde!!) waren und blieben tatsächlich alle Atom-großen Kügelchen, wo sie hingehörten.

Ergebnis: Freilauf schnurrt wieder wie ein sattes Kätzchen  (Jetzt brauch ich wieder ein Rad, zum Dranschrauben)

Wenn nur alles so einfach wäre

Flyer-Alarm!

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Das geschätzte BMVI (Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur) beglückt in regelmäßigen Abständen auch uns Radfahrer – nein, natürlich nicht mit einer grundlegenden Änderung der Verkehrspolitik, sondern mit (Kapellmeister, einen Tusch!) einem neuen Flyer.

Beim Layout wurde auf den ersten Blick auf Ausgewogenheit geachtet – jeweils gleich große Kästen für Radfahrer und Autofahrer, darunter eine Zusammenfassung, begleitet von einem Cartoon.

Leider gilt die Ausgewogenheit nur auf den ersten Blick. Die Kästen werden dafür genutzt, humorig vermeintliche gegenseitige Vorurteile zu beschreiben, die Zusammenfassung folgt leider dem altbekannten, ärgerlichen Muster; hier sucht man die Ausgewogenheit vergeblich.

Fakten und Meinungen vermischt

Es werden sowohl Fakten als auch Meinungen präsentiert, ohne, dass klar wird, was was ist. Zum Beispiel wird mit keiner Silbe erwähnt, dass das Gesetz das Nebeneinander-Fahren nicht an Straßentypen bindet, sondern nur an den Tatbestand der Behinderung.

Im Text steht aber:

In verkehrsberuhigten Bereichen dürfen Sie neben Freund oder Freundin fahren, denn die Schrittgeschwindigkeit macht das Überholen durch Autos unmöglich. Dasselbe gilt für
Fahrradstraßen oder in einer Tempo-30-Zone, wenn die Radfahrer entsprechend schnell sind.

Es wird also suggeriert, dass es außerhalb von 30er Zonen oder Fahrradstraßen generell nicht erlaubt ist. So schürt man Konflikte. Das könnte jetzt ein ungewollter Ausrutscher sein, dieselbe Art der Formulierung ist mir aber schon an anderer Stelle aufgefallen. Es scheint fast so, als würde versucht, hier einen Konsens zu erzeugen, ohne das Gesetz explizit anfassen zu müssen.

Suggestive Formulierungen und warme Empfehlungen

In dem ganzen Flyer stehen gesetzliche Vorschriften und warme Empfehlungen nebeneinander. Und die warmen Empfehlungen sind sehr stark aus der Autofahrerperspektive. Das lässt sich erkennen, wenn man die gewählten Formulierungen genauer ansieht.

Das ist recht subtil gemacht. Und bevor mir einer Verfolgungswahn unterstellt,eine Fangfrage zur Erläuterung:

Was wirkt stärker, wenn ich sage „Für einen Bundesverkehrsminister ist Ausgewogenheit und die Vertretung der Interessen aller Verkehrsteilnehmer Pflicht“ oder „Herr Dobrindt, ich fordere Sie auf, die Interessen aller Verkehrsteilnehmer gleichermaßen zu vertreten!„?

Ersteres sagt: Machen Sie eh, und wir beide wissen das. Letzteres enthält unterschwellig, er hätte es bis jetzt nicht oder nicht ausreichend getan.

Behalten wir das im Hinterkopf und schauen wir uns den Text über Abbiegesituationen an:

„Für Pkw-Fahrer sind Abbiegesituationen oft sehr unübersichtlich. Im
sogenannten toten Winkel ist ein Radfahrer trotz der Außenspiegel
manchmal nicht zu sehen. Als geradeaus fahrender Radfahrer sollten
Sie daher unbedingt Blickkontakt mit dem Pkw-Fahrer suchen. So
schaffen Sie Abstimmung und Sicherheit. Für Autofahrer ist der
Schulterblick Pflicht. Radfahrer sollten bei einer unklaren Situation
auf ihre Vorfahrt verzichten und an einer Ampel versuchen, vor oder
hinter dem Pkw zu stehen, um gut gesehen zu werden.“

hübsch..

„Für Pkw-Fahrer sind Abbiegesituationen oft sehr unübersichtlich.“

Für Radfahrer sind sie oft tödlich. „Für Pkw-Fahrer sind Abbiegesituationen oft sehr unübersichtlich„. Kann keiner was dafür…

Wollen wir einmal klarstellen: Ein Abbiegeunfall ist in 99% der Fälle eine Vorfahrtsverletzung durch den KFZ-Fahrer.

Ich lese allerdings genau einen kurzen Satz in Richtung der Autofahrer, und der ist auch noch sprachlich neutralisiert. „Für Autofahrer ist der Schulterblick Pflicht„, aber „Du, Radfahrer, musst dies… Und du solltest das…“..

Das setzt sich nach dem gleichen Muster gleich auf der nächsten Seite fort:

Wenn Sie abbiegen möchten, kündigen Sie dies rechtzeitig und deutlich an. Dabei sind die Fahrtrichtungsanzeiger zu benutzen – so steht es in der Straßenverkehrsordnung. Als Radfahrer geben Sie Handzeichen und informieren so über einen anstehenden Fahrtrichtungswechsel.
Vermeiden Sie ein plötzliches, unangekündigtes Abbiegemanöver, um sich und andere nicht zu gefährden. Neben dem Handzeichen sollte auch auf dem Fahrrad der Schulterblick den Abbiegevorgang einleiten. Für den Pkw-Fahrer gilt dasselbe: Schulterblick und frühzeitiger Blinker sind zwingend notwendig.“

Als Radfahrer geben Sie…“ (direkte Ansprache) gegen „Für den Pkw-Fahrer gilt dasselbe: Schulterblick und frühzeitiger Blinker sind zwingend notwendig.“ – Verallgemeinerung, sprachliche Abschwächung. So kommuniziert man, wer in der Pflicht ist, sein Verhalten zu überdenken. Die Ansage Richtung Autofahrer: „Das mussten wir einbauen, damit es nicht gar so einseitig wirkt“, die Zielrichtung ist klar.

Das geht den ganzen Flyer hindurch weiter. Aussage: Wenn Dir auf dem Rad was passiert, bist du selber schuld, denn Du hast dich nicht an unsere Empfehlungen gehalten. Verhaltensempfehlungen in Richtung der Autofahrer kommen spärlich und sprachlich verklausuliert. Die sind wegen der political correctness drin, die Intention des Flyers ist klar.

Fazit

Eine ärgerliche Angelegenheit und eine verschenkte Gelegenheit, wieder einmal. Umso unverständlicher, dass der BDR (? seit wann interessiert sich der für Verkehrspolitik?)  und der ADFC sich dafür hergaben.

Die Radler und die Polizei

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Die Radler und die Polizei – die zwei haben nach wie vor ein bestenfalls problematisches Verhältnis zueinander. Als Beleg 3 Meldungen aus dem letzten halben Jahr:

1. Wenn einer vom Rad fällt und trotz Helm Kopfverletzungen erleidet, die eine Krankenhauseinlieferung erfordern, ist dies ein klarer Beweis dafür, „Wie wichtig es ist, beim Radfahren einen Helm zu tragen“, findet die Polizei Dorfen (Merkur online 6.1.16)

2. Wer

  • nachts um halb zwölf ohne Licht
  • und  besoffen
  • „verbotswidrig vom Radweg quer über den Kreuzungsbereich ausschert“ und dabei
  • „einen entgegenkommenden Fiat übersieht“

sollte dringend einen Helm tragen, findet die Polizei München (az online 12.6.16)

3. Fette 23 von insgesamt 439 registrierten Unfällen im schönen Gröbenzell wurden von Radlern verursacht. Das sind auch diejenigen, die dem wackeren Polizeichef als einzige Sorge bereiten. Denn, Zitat: „Radler halten sich nicht an Verkehrsregeln!“ (Merkur online 28.6.16)

„sz“ über Sonntagsradler

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Die „sueddeutsche“ hat mal wieder einen Kommentar über unsereins, diesmal zum Thema „Sonntagsradler nerven„. (sz online, 21.6.2016)

Tenor: Das Meckern über Sonntagsradler ist unangebracht, was es braucht ist mehr Rücksicht.

Leider macht der Autor ein paar Fehler:

Jene Radfahrer, die ein eher gemütliches Tempo anschlagen. Die nicht immer am rechten Rand des Radweges fahren, damit die Schnelleren überholen können. Die sich, und das scheint das größte Ärgernis zu sein, an die Verkehrsregeln halten.“

Wenn er in der Mitte des Radwegs herumdöst, ist *er* es, der sich nicht an die Regel hält.

oder:

(Man) Verteufelt die anderen Radler, weil man selbst nicht vorwärts kommt. Oder die Verkehrspolitiker und -planer, die angeblich die Infrastruktur vermurkst haben. Der Haken: Beides geht am eigentlichen Problem vorbei.

Da liegt er auch falsch. Wenn die Infrastruktur nicht ausreichend ist für ein Verkehrsmittel, das 20% der Verkehrsleistung trägt, und gefährliche Situationen zwischen den unterschiedlichen Radler-Typen, die es nun mal gibt, verursacht, dann *haben* die Politiker und Verkehrsplaner die Infrastruktur vermurkst. Das ist nicht die einzige Ursache, aber nur sagen „das ist falsch, wir müssen einfach mehr Rücksicht üben“ zielt noch viel weiter vorbei.

Die Fehlerdiskussion führt aber am Kern vorbei, das ist ein Kommentar und kein wissenschaftlicher Bericht. Ich finde ihn interessant, denn er zeigt, wie viele (Sonntagsradler) denken. Das zeigt aber vor allem, dass noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten ist.

Das Rad *ist* ein Verkehrsmittel, und an Verkehrsteilnehmer werden verschiedene Aufgaben gestellt, damit die Sache flutscht. An Autofahrer viele, an Fußgänger wenige, an Radfahrer einige niedergeschriebene und exterm viele implizite.

Das Rad wird aber stark inhomogen genutzt. Der eine hats eilig, der andere will spazierenfahren, der dritte will -wie beim Zu-Fuß-Gehen- nicht dauernd aufpassen müssen wie ein Schießhund… einige der Ansprüche sind legitim, andere weniger, alle zusammen wird man nicht unter einen Hut kriegen. Eine Diskussion ist erforderlich, wie welche Ansprüche zu gewichten und zu berücksichtigen sind.

Diese Diskussion wird im Moment von den Advokaten der „we aren’t Traffic“ Bewegung mit Totschlagargumenten völlig niedergewalzt. Der „ungeübte Radler“ und das „4-Jährige Kind“ sind die einzigen Maßstäbe. (Sie *sind* Maßstäbe, aber nicht die einzigen)

Aus jedem ungeübten Radler (der öfter als 3x aufsteigt, bevor der Bock Spinnweben ansetzt) wird in 3 Monaten ein Geübter mit völlig anderen Ansprüchen. Und den 12-Jährigen Schüler, der es *nicht* die meiste Zeit sau-eilig hat, muss ich erst noch treffen.

Holzkirchener Radverkehrspolitik

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Real existierende Fahrradverkehrspolitik in Holzkirchen!

Der „Merkur“ berichtet aus einer Stadtratsausschuß-Sitzung zu Radabstellanlagen im Holzkirchen. (2016, nicht 1953)

Der Radverkehrsbeauftragte Romanski weist auf einen schlecht zugänglichen Radständer hin, der verlegt werden müsse.
Bürgermeister Löwis (CSU): „Das Argument sticht nur, weil wir wollen, dass die Ständer genutzt werden“, betonte er. Nicht, weil es unzumutbar wäre, dass Radler absteigen“

Sepp Sappl jun. (CSU) will schliesslich noch wissen, „ob sie dort mit (sic!) den Tischen in die Quere kämen, die der Oberbräu vor der Tür aufstellt.“

Ein weiterer Raddständer ist eine Sicherheitsfalle. Man könnte einen (1) Parkplatz auflösen, um die Situation zu entschärfen.

Bürgermeister Löwis (CSU): „Ich würde hier nicht das Fass aufmachen ,Radler gegen Autofahrer“

Außerdem:

„[…]Einen Beschluss gab es in der Sitzung nicht.“

Zusammenfassung:

Einen (1) Parkplatz auflösen für mehr Sicherheit für Radler: geht nicht.

Radabstellplätze dahin verlagern, wo sie erreichbar sind: Geht grad so mit Zähneknirschen – aber nicht etwa als Präzedenzfall mißverstehen! Nur, wenn dem Sappl Sepp (Jun) sein freier Zugang zum Oberbräu nicht beeinträchtigt wird. Ist ja auch ******gefählrich, wenn man dauernd über die Malefix-Radln fällt, mit 3 Promille auf dem Weg zum Parkplatz (X5)! – Wobei, Weg zum/vom Stammtisch, das wäre für einen CSU-Kommunalpolitiker ein Arbeitsunfall.

Da hilft nur eins: Die brauchen dringend einen Radlhighway.

Münchner CSU-Stadtrat Schlagbauer von allen Ämtern zurückgetreten

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Münchner werden es mitverfolgt haben: Der Hoffnungsträger der CSU-Stadtratsfraktion Schlagbauer ist vor zwei Wochen von seinen Ämtern zurückgetreten. Gegen ihn wird ermittelt wegen Drogenkonsums, außerdem soll er hohe Schulden in einem Bordell angehäuft haben. (sz 10.6.2016)

Seine Fraktionskollegen zeigten sich schockiert. Bürgermeister Schmid (CSU) äußerte sich, es sei ihm „Der Drogenkonsum [..] bei seiner Tätigkeit als Stadtrat in keinster Weise anzumerken“ gewesen.

Nun, vielleicht sollte Schmid mehr mucradblog lesen… der Herr Schlagbauer war hier schon mit einigen spannenden Aussagen Thema. Leute, Finger weg von Drogen!

München: CSU-Fraktion rückt die Welt wieder gerade

München: CSU erklärt sich zum Anwalt “intelligenter Verkehrspolitik”

Google tut was!

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Die Genies von Google kümmern sich, wie wir wissen, nicht mehr nur um Werbeeinnahmen-Optimierung, sondern auch um autonomes Fahren. Und dem steht, wie wir neulich gelernt haben, der Mensch im Straßenverkehr einfach im Weg, in seiner Eigenschaft als Fußgänger oder Radfahrer ist er einfach zu unkalkulierbar.

Aber Googles Genies wären keine Genies, wenn sie nicht eine, nun ja, man kann es nicht anders sagen, geniale Lösung dafür hätten. Und zwar? (Kapellmeister, einen Tusch!)

Den Klebrigen Lack!

google stickie

Man versieht das Auto enfach mit einer klebrigen Schicht, und schon kann man unbesorgt Fußgänger und Radler auf die Hörner nehmen – sie bleiben einfach hängen wie Fliegen auf dem Fliegenpapier und tun sich nicht mehr weh beim herunterfallen! Man vermeidet so diese häßliche Knack-Geräusche beim Überfahren solcher Verkehrshemmnisse, Unterboden und Radaufhängung bleiben unversehrt.

(Gut, zu schnell sollte es nicht sein, das Auto, sonst bleibt es nicht bei dieser einen Fliegen-Analogie..)

Der @mucradblogger meint: Bahnbrechend!

Quelle: Nein, nicht der Postillon, sondern der Guardian vom 19.5.2016 (nein, nicht vom 1.4.)

Berliner Fahrrad-Volksentscheid

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In Berlin geht die Debatte über den Fahrrad-Volksentscheid weiter. Im Augenblick Thema: Die zu erwartenden Kosten. Da sich der Senat mit Händen und Füßen gegen die Initiative wehrt, hat er sich die Kosten schön großgerechnet und kommt auf 2,1 Milliarden, die Gegenrechnung der Initiative kommt auf ein Zehntel davon, wie die Zeit berichtet. Es lohnt sich, den Artikel in Ruhe durchzulesen, schon interessant, welche Taschenspielertricks hier angewandt werden. Zum Beispiel hat der Senat vergessen, den bereits bestehenden Radverkehrsetat zu verrechnen, das sind 35 Millionen/Jahr. Auch andere Zahlen sind eher zweifelhaft.

Artikel: „Wie teuer wird’s denn?„, Zeit online 30.5.2016

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„Gesetz zur Förderung des Radverkehrs in Berlin“; Vertreter des Volksentscheids Fahrad, Heinrich Strössenreuther und Philip Bastian

Währenddessen haben über 60 Wissenschaftler sich hinter die Initiative gestellt, und zwar auf dem weltweit beachteten „German Habitat Forum“.

 

Berlin: Kommunikationsstrategie statt Radverkehrsstrategie

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Berlin: unsere schöne Bundeshaupstadt hat, wie Lesern dieses Blogs nicht unbekannt ist, einen stolzen Radverkehrsanteil von 13+% und dürfte damit in Europa die Stadt mit den meisten Radfahrern überhaupt sein. Was Berlin außerdem auszeichnet, ist ein Senat, der dies nach schöner deutscher Sitte geflissentlich ignoriert in seiner Verkehrsplanung, und stattdessen wie üblich unterfinanzierte Flickschusterei betreibt.

Das hat die Radfahrer so angemeiert, dass sie sich zusammengeschlossen haben zum Volksentscheid Fahrrad. Es wurde eine Gesetzesvorlage erarbeitet mit dem Titel „Gesetz zur Förderung des Radverkehrs in Berlin (RadG)„, die man hier einsehen kann. Aktuell werden Unterschriften gesammelt, die nötig sind, damit das vor den Senat kommt..

Das brachte die Volksvertreter endlich in Schwung und man wurde aktiv! Und was macht man, wenn die eigenen Bürger so unzufrieden mit der Regierung sind, dass sie anfangen, selbst Gesetze zu entwerfen?
Nein, natürlich kein eigener Vorschlag einer Radverkehrsstrategie (Ihr träumt wohl :), sondern es wurde eine PR-Kampagne ausgeschrieben, die zum Ziel hat, den Berlinern zu erklären, dass der Senat gaanz gaanz tolle Arbeit macht mit dem Radverkehr und der Volksentscheid ganz völlig unnötig ist…. finanziert natürlich mit Steuergeldern. (Eine Praxis, die höchst umstritten ist und für die sich der Senat eigens ein Gesetz gemacht hat – auch dagegen läuft bereits eine Unterschriftenkampagne…)

Gelebte Demokratie halt!

Pressemitteilung der Initiative Volksentscheid Fahrrad dazu

„Arnulfsteg“ gestoppt

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„Arnulfsteg“ ist der Name der geplanten Fußgänger- und Fahrradbrücke über die Bahngleise parallel zur Donnersberger Brücke. Nach einigem politischen Gezerre (wir berichteten) sollte der Bau dieses Jahr beginnen.

Daraus wird nun erst einmal nichts, wie verschiedene Münchner Medien berichten. Die beauftragte Baufirma bekommt ein technisches Detail nicht geregelt. Im Moment keilt man sich, ob die Ausschreibung der Stadt München in dem Punkt fehlerhaft war oder nicht.

Der Bau wird sich damit um mehrere Jahre verzögern, weil für einige Arbeiten Bahnabschnitte zeitweise stillgelegt werden müssen, dafür Änderungen an den Fahrplänen nötig sind, und so was muß offensichtlich mit mehrjährigem vorlauf geplant werden.

Die für August geplante Vollsperrung der Stammstrecke ist wohl auch nicht mehr rückgängig zu machen. Echtes Win-Win eben.

sz: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/wegen-fertigungsproblemen-stadt-stoppt-bau-des-arnulfstegs-1.2958693

Blitzermarathon: Wie gewohnt, wird mit überwältigendem Medienaufwand der deutsche Autofahrer darauf aufmerksam gemacht, dass er sich in dieser Woche ausnahmsweise an die Verkehrsregeln halten muß. Es wird natürlich trotzdem ein paar Hunderttausend erwischen, die sich in der Folge in sozialen Medien, Leserbriefen und an Stammtischen unter großem Verständnis von Bevölkerung und Ordnungshütern herzlich über „Abzocke“ aufregen werden.
#KaumEinRadfahrerHältSichAnVerkehrsregeln

Update: Wie nicht anders zu erwarten, findet die FDP Blitzermarathons doof. Was das wieder Einbußen für die freie Wirtschaft bedeutet, wenn der Konsument und der Lieferant sich an die Regeln halten muss.

Stadtpolitik: Die unter anderem wegen der „zu Radfahrer-freundlichen“ Politik der Münchner CSU (Sind Drogen eigentlich erlaubt im Rathaus?!) zur Bayernpartei übergelaufenen Stadträte machen die Bayernpartei (0,9%) zur viertstärksten Fraktion. Jetzt fangen sie an, Posten und Pöstchen einzufordern. Von Neuwahlen ist nicht die Rede…

az: http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.nach-zuwachs-aus-der-csu-bayernpartei-meldet-anspruch-auf-posten-an.a84a387d-3f56-496b-82f2-6ea909388c0a.html

Währenddessen blockt die Rathaus-GroKo Lärmschutzmaßnahmen am Mittleren Ring. Frei durchregieren!

az: http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.streit-im-stadtrat-laermschutz-in-muenchen-gruene-sauer-auf-groko.ccdc872d-b776-4bf8-9ff5-46c00cf9fa29.html

Schellingstraße bekommt „grüne Welle“ für Radfahrer

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Schellingstraße: Unbeirrt von den Sprüchen aus dem Rathaus treibt das KVR den Radverkehr voran. In der Schellingstraße wird eine „grüne Welle“ für Radfahrer geschaltet. Dies ist ein Pilot, andere Straßen sollen folgen.

Fußgängerzone Sendlinger Straße: Die Sendlinger wird zur Fußgängerzone – zunächst ein Jahr auf Probe. Eine gute Idee, findet sz-Kommentator Thomas Anlauf. So könnten die Menschen erleben, ob die Ängste und Befürchtungen – Einbußen für Geschäfte, Ausweichverkehr in den umliegenden Straßen etc – begründet sind oder nicht, ohne gleich endgültige Fakten zu schaffen.

(sz: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/kommentar-langsam-gehts-schneller-1.2953451)

Computerzeitschrift c’t testet „smart bikes“: Die c’t, das Leitmedium für Digitales, widmet in der aktuellen Ausgabe dem „Smart Bike“ einen großen Sonderteil. Das freut den mucradblogger, denn er ist schon seit einem Vierteljahrhundert Stammleser.. :)

Die Artikel sind wie üblich kompetent geschrieben, angenehmerweise fehlt das sonst ziemlich übliche Hochjubeln von jedem Schmarrn. Will man wirklich ein Bluetooth-gesteuertes Radschloss, und bekommt man es auch dann auf, wenn der Smartphone-Akku mal wieder leer ist? (Meine Tacho-Batterie hält ein gutes Jahr, und fällt natürlich immer an Tag 2 des Mallorca-Urlaubs aus…). Braucht man Lenkergriffe, die Navi-gesteuert links oder rechts vibrieren? Und mit wie vielen Netzteilen im Rucksack geht man demnächst auf Tour (oder nur auf die 5 km zum Büro..)?

 

Durchsagen 2016 III

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Marienplatz: Hier läuft im Augenblick wegen der Bauarbeiten am „Hugendubel“ eine Art „Pilot“ für den Radverkehrs- Taxi- und Bus-freien Betrieb. (Mein Eindruck: positiv, vor allem wegen der fehlenden KfZ – die Radlerdichte scheint mir nicht großartig geringer, und auch die Polizei scheint es gelassen anzugehen)

Die Grünen hätten gerne Fakten statt Gerüchten und haben die Koalition um Zahlen gebeten, was der Versuch denn tatsächlich für Ergebnisse geliefert hat :)

„Das Monitoring soll darstellen, ob der Radverkehr in der Kustermannfahrbahn und an der Kreuzung Kustermannfahrbahn/Tal an stark frequentierten Tagen reibungslos verläuft oder ob es lediglich eine Verlagerung von Konflikten vom Marienplatz an den Viktualienmarkt gibt.“

Ebenso soll nach dem Willen der Grünen die Nutzung der Residenzstraße und der Alfons-Goppel-Straße untersucht werden, und ob sich die Zahl der Radfahrer in der Altstadt insgesamt verringert. Eine Befragung könne Erkenntnisse darüber bringen, ob nicht eine große Unzufriedenheit bei den Radlern einer nur geringfügigen Verbesserung der Zufriedenheit bei den Passanten gegenüber stehe[…]“

Quelle: Merkur

München kurios: Die Rathaus-CSU arbeitet weiterhin mit Macht daran, den Radverkehr nur ja nicht zu viel Priorität oder gar Gleichberechtigung zu gewähren (wir berichten laufend).  Währenddessen ist StR Mario Schmidbauer mit seiner Kollegin Eva Caim zur „Fraktion Bürgerliche Mitte“ gewechselt. Damit hat die CSU nun gleich viele Sitze wie die SPD und ihren Status als stärkste Fraktion verloren.
Kurios daran ist, dass Schmidbauer den (ihm offensichtlich immer noch) zu „radfahrfreundlichen Kurs“ der Stadtregierung als Grund nannte. Hauptgrund sind allerdings eher nicht gewährte Pöstchen und persönliche Unzufriedenheit mit dem Führungsstil des von OB Reiter stets mit Vergnügen ins Abseits gestellten Vize-Bügermeisters Josef Schmid, der als „Sonnenkönig“ tituliert wird.

Quelle: sueddeutsche

Zürich: Zürich wird von Linken regiert und besitzt ein international hoch geschätztes Langzeit-Verkehrskonzept, das unter anderem die Priorisierung des öffentlichen Verkehrs und die Förderung des Radverkehrs  beinhaltet. Das ist der Opposition ganz offensichtlich ein Dorn im Auge. Auch die liberal-bürgerliche „NZZ“ haut in die Kerbe und greift in die Vollen. Vorgeworfen wird der Stadtspitze eine „ideologische“ Verkehrsplanung.

Zum Nachlesen und Kopf schütteln: Weltfremde Ideen von Rot-Grün

(In der ersten Version des Artikels, die ich gestern Nachmittag gelesen habe, wurde noch gesagt, das Fahrrad leiste „keinen Anteil zu Verkehrsleistung“ – eine zumindest debattierbare Ansicht, Zürich hat ca. 10% Radverkehrs-Modal Split… in der letzten Fassung vom 4.4. 18:20 fehlt der Teil). Eine Studie der ETH nennt ein Potential von bis 39%.

Links:

Ein Internationales Vorbild: Die Verkehrspolitik der Stadt Zürich

Doku „Bikes vs Cars“ im Filmmuseum

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Am Donnerstag, den 24.3. zeigt das Münchner Filmmuseum um 19:00 Uhr den Dokumentarfilm „Bikes vs. Cars“ von Fredrik Gertten.

Der preisgekrönte Film vergleicht die Zustände im Radverkehr in so unterschiedlichen Städten wie Copenhagen, Los Angeles oder Bogota. Er illustriert die Bemühungen der Radaktivisten dieser und weiterer Städte, zeigt das Veränderungspotential, und auch die Arbeit der Autolobby wird beleuchtet.

mucradblog-Tipp: Ansehen!

Im Anschluß an die Vorführung findet eine Critical Mass Tour statt!

Rambo gegen Radler – mal so, mal so

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„Wild-West in Altperlach“: So betitelte die Abendzeitung ihre Meldung über einen Zwischenfall in München vergangene Woche.

Ein Radler hatte sich über einen zugeparkten Radweg geärgert und dem SUV einen Klaps auf die Motorhaube verpasst. Das ist eine Majestätsbeleidigung ersten Grades für jeden Autobesitzer und brachte dem Radler eine Verfolgungsjagd über mehrere Straßen ein, im Verlauf derer die Beifahrerin sogar versuchte, den Radfahrer mit einem Elektroschock-Gerät anzugreifen. Am Ende schnitt der Autofahrer dem Radler den Weg ab, dieser stürzte, erlitt dabei einen Nasenbeinbruch und weitere Verletzungen. Der Autofahrer flüchtete.

Die Polizei ermittelte den Täter recht schnell, es laufen Anzeigen gegen Fahrer und Beifahrerin. Sogar die Presse ergriff die Partei des Radfahrers.

Vor 2 Jahren: Ähnlicher Fall, völlig andere Darstellung

Soweit, so gut – nur kann ich beim besten Willen keinen arg großen Unterschied erkennen zu einem meiner Meinung nach sehr ähnlichen Fall, der sich vor zwei Jahren ereignete und über den ich hier bereits ausführlich berichtete:
DIE MÜNCHNER POLIZEI UND DIE RADFAHRER (TEIL X)

Auch damals verursachte der Autofahrer den Konflikt, sogar durch Nehmen der Vorfahrt, was wohl noch etwas härter ist als das Zuparken eines Radwegs, auch damals kam es zum Wortgefecht, Klaps auf’s Blech, Verfolgungsjagd. Der Radfahrer flüchtete von der (vermutlich recht gewaltschwangeren) Szene, die Polizei ermittlelte gegen *ihn*.

Ich erlaubte mir seinerzeit, Anzeige gegen den Autofahrer zu erheben wg. Gefährdung. Es bedurfte mehrerer Briefe, bis die Münchner Staatsanwaltschaft verstand, dass ich den Autofahrer meinte und nicht den Radler. Das Drama ist hier dokumentiert:
DIE MÜNCHNER POLIZEI UND DIE RADFAHRER (TEIL X) – UPDATE

Als man mich endlich verstanden hatte, erhielt ich noch einen Anruf von einem Polizeibeamten, der aber nur herausfinden wollte, ob *ich* vielleicht der betreffende Radfahrer war M( Meinen Standpunkt, dass hier der Autofahrer einiges falsch gemacht haben könnte, konnte er jedoch nicht teilen.
MÜNCHNER POLIZEI JAGT “RABIATEN RADLER” RELOADED

Zum Abschluss erhielt ich fast ein Jahr nach dem Ereignis noch einen Brief einer Staatsanwältin, der zum Inhalt hatte, das Verhalten des Autofahrers sei angemessen gewesen und nicht zu verfolgen.

Ich komme also zum Schluss: Die Wahrnehmung, wer bei so etwas der „Rambo“ ist, hängt davon ab, wer die Polizei holt und *seine* Variante erzählen kann.

Die CSU, der Anwalt moderner Verkehrspolitik – Teil 2

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Die Münchner CSU ist rechtschaffen entrüstet, dass sie als Verfechter einer rückwärts gerichteten Verkehrspolitik wahrgenommen wird (wir berichteten).

Um das zu entkräften, hat StR Manuel Pretzl gleich mal eine Anfrage an den OB eingereicht. Er hätte gerne rückhaltlos geklärt, wer seit 1994 noch weniger für alternative und  moderne Verkehrsarten getan haben könnte, als sie es aktuell tun.

http://csu-rathaus-muenchen.com/2016/02/10/anfrage-verantwortlichkeiten-in-der-verkehrspolitik-dichtung-und-wahrheit/

Im Zeitraum zw. 1994 und 2015 kamen genau drei (3) Anträge zum Thema Radverkehr aus der CSU-Fraktion. Alles Änderungsanträge. zB:

26.9.2009: Änderungsantrag zum Grundsatzbeschluss zur Förderung des Radverkehrs in München:

[…]

  • Es wird keine Fahrradabstellsatzung erarbeitet
  • Eine Radwegbenutzungspflicht wird, soweit und sofern rechtlich möglich, beibehalten.
  • Es werden keine neuen Personalstellen genehmigt.
  • Der Marketingkampagne wird nicht zugestimmt.

 

München: CSU erklärt sich zum Anwalt „intelligenter Verkehrspolitik“

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Die CSU-Stadtratsfraktion München hat sich zu Wort gemeldet: In einem mittellangen Artikel legt sie ihren Standpunkt dar, was ihrer Meinung nach unter „intelligenter Verkehrspolitik“ zu verstehen sei. Man klopft sich auf die Schulter, weil man Mittel für den Radwegebau bereitstellt (rd. 5€ pro Bürger/Jahr, das ist ein Fünftel dessen, was Städte investieren, die es ernst meinen). Ansonsten sind Radverkehrsbefürworter Ideologen und Radfahrer behindern den Verkehr. *seufz*.

Hier mal eine Chronologie der Aktionen der Radfahrfreunde von der CSU, weil’s so schön ist (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

Rosenheimer Straße: An dieser wirklich saugefährlichen Ecke, an der bereits Todesopfer zu beklagen waren, seit Jahren ein Herumgeeier. Erbitterter Widerstand der CSU gegen eine bereits beschlossene Lösung, die zurückgenommen wird (auch mit Hilfe der SPD).
Am Schluß ein fauler Kompromiß, der dem KFZ-Verkehr nicht genügt, und ganz sicher nicht den Radfahrern.

Straßenbahn Westtangente: Hier will man eine Lösung finden, die “den KFZ-Verkehr nicht negativ beeinflußt” (Zitat Stadtrat O. Seidl, CSU)

Georg Schlagbauer, CSU, in der Bild: Grüne Welle für Autos statt (endlich) vernünftiger und sicherer Radverkehrsführung an Hauptstrassen wie der Lindwurmstrasse, damit (wörtlich) “der Verkehr besser fließen kann”.
Radfahrer sollen nicht an Hauptstrassen, sondern “entlang landschaftlich schöner Strecken” radeln. Hä? Herr Schlagbauer schrieb auch schon einmal in einem Antrag “Auf keinen Fall dürfen Vorrechte für Radfahrer eingeräumt oder faktisch ermöglicht werden…”
(8/2014)

Altstadttraverse: Radlfurt am Marienplatz wird abgeschafft (anscheinend dadurch ausgelöst, dass der “Ludwig Beck” das Säckel aufgemacht hat. Verkehrspolitik durch “wer zahlt, schafft an”).
Ersatzlösung für die bis zu 15.000 Radler täglich (offizielle Zählung der Stadt): Kreuz und quer durch die Altstadt, über Kopfsteinpflaster und quer über die Maximiliansstrasse.
Bereits weit gediehene Pläne der Vorgängerregierung, die auch andere Aspekte als die Interessen ansässiger Geschäfte berücksichtigten, zu den Akten gelegt.

Radstreifen Nymphenburger Strasse: Diese seit Jahren überfällige Maßnahme (Expertenmeinung “..sind die Verhältnisse für den Radverkehr auf den Radwegen im Zuge der Nymphenburger Straße beengt und entsprechen nicht mehr den heutigen Planungsstandards” – muenchen-transparent.de) ein weiteres Mal abgelehnt. Originelle Begründung: “Dann ist es nicht mehr möglich, in zweiter Reihe zu parken” – Zitat Hr. Krimpmann, Vorsitzender BA Maxvorstadt, CSU – von Beruf Polizist (04/15)

Bogenhausen: Umwandlung 1(!) Parkplatzes in 8 Radabstellplätze abgelehnt (06/15). Begründung: “Es gäbe zwar eine Tiefgarage, diese sei aber schlecht” (X.Finkenzeller, CSU) (06/15)

Schwabing: Umwandlung mehrerer Parkplätze in Radabstellplätze an den Schulen am Elisabethmarkt abgelehnt (I.Braunstorfinger, CSU) (06/15)

Bremst die Münchner GroKo den Radverkehr aus?

München: Die Grünen haben im Stadtrat die böse, aber berechtigte Frage gestellt:

Wird der Ausbau des Münchner Radverkehrsnetzes durch die GroKo
im Rathaus systematisch ausgebremst?

Hintergrund ist der Antrag der CSU-Fraktion mit dem schönen Titel „Markierung von Radfahrstreifen: Entfall von Fahrspuren nur nach Stadtratsbefassung!„. Damit soll die Entscheidung darüber, ob auf Hauptverkehrsstrassen Fahrspuren zu Radstreifen umgebaut werden, vom KVR an den Stadtrat verlagert werden. Böse Zungen behaupten, den Schwarzen sei die fahrradfreundliche Haltung des KVR unter Dr. Blume-Beyerle schon länger ein ausgesprochener Dorn im Auge…

Über diesen Antrag ist überhaupt noch nicht entschieden, trotzdem hat er bereits dazu geführt, dass geplante Umbauten, zB an der Brienner Straße oder die Vervollständigung an der Seidlstrasse, gestoppt wurden.

Darauf gibt es jetzt vom Baureferat eine ausführliche Antwort, die ihr hier einsehen könnt: https://t.co/AHWYfIrXXa

Unmittelbarer Anlaß des Antrags war das „Verkehrschaos“, das die Radstreifen an der Gabelsberger und an der Landsberger angeblich verursacht haben sollen und die StR Schmid (CSU), seines Zeichens Mitglied der fraktionsübergreifenden Radler-AG des Stadtrates, zu einem panikartig gestellten Eilantrag verleiteten (wir berichteten).

Ergebnis:

1. Gabelsbergerstraße:
Das Geschwindigkeitsniveau des motorisierten Individualverkehres (MIV) hat sich erheblich reduziert, die gefahrenen Geschwindigkeiten sind homogener als vorher.
[..]
Wegen des durch die o.a. Maßnahme erzielten Gewinns an Ver- Rathaus Umschau 2.2.2016, Seite 12 kehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer sehen wir die phasenweise bei erhöhtem Verkehrsaufkommen in den Spitzenzeiten vereinzelt auftretenden Störungen im Verkehrsfluss als verhältnismäßig an.
[..]
Es wird daher festgestellt, dass der Verkehrsfluss in der Gabelsbergerstraße keine besonderen Probleme aufweist.

2. Grasser-/Landsberger Straße:
Die vor dem Umbau getroffenen Aussagen hinsichtlich einer ausreichenden Leistungsfähigkeit des umgebauten Knotens haben sich bestätigt.
[..]
Es wird daher festgestellt, dass der Verkehrsfluss an der Lichtsignalanlage Grasser-/Landsberger Straße keine Probleme aufweist.

Essen: Stadion statt Radverkehr

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Essen wird 2017 „Grüne Hauptstadt Europas“ sein. Essen hat aber auch Fußballgeschichte (mit der Fußballgegenwart sieht es eher mau aus). Essen hat auch einen defizitären Stadionneubau am Hals. Der wird nun von der Stadt mit 500.000€ gestützt.

Um das zu finanzieren, wird sich -wo? na natürlich beim Radverkehr gespart – dessen Gesamtetat von ebenfalls 500.000€ wurde ersatzlos gestrichen.

Quelle: Die Zeit, 2.2.2016 „Wo Tore mehr zählen als Räder“

Autonome Fahrzeuge: „Radfahrer sind das Problem“

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Wir Radler stehen mal wieder dem Fortschritt im Weg: Der CEO von Renault-Nissan, ein gewisser Herr Carlos Ghosn, möchte gerne bis 2020 ein autonomes Fahrzeug an den Start bringen. Allerdings sieht er da ein großes Hindernis:

Nämlich uns Radfahrer! Wer hätte das gedacht…

Denn: „Radfahrer halten sich generell nicht an Regeln“ und außerdem verhalten wir uns „manchmal wie Fußgänger, manchmal wie Fahrzeuge„.

Das wäre auch zu viel verlangt von so einem Robbie, einfach mit Fußgängern *und* Fahrzeugen klar zu kommen. Klarer Fall, die Fußgänger und Radler müssen weg von der Strasse, dem Fortschritt zuliebe. Die Forderung scheint ganz ernsthaft gestellt zu werden.

Auch das Google-Auto kämpft noch mit den Tücken des ungeordneten Verkehrs: Nicht nur umherrollendes Gebüsch („Tumbleweeds“ – das, was nach 18 Uhr durch Hannovers Altstadt weht) bringt die Technik aus dem Konzept, sondern auch ein vor- und zurückrollender Fixie-Fahrer an der Ampel :D

 

Einfluß der Autolobby in der EU

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Und weil’s so schön zum vorherigen Blogpost „Runder Tisch in Hamburg“ passt:

Gerade flattern von „Lobbycontrol“ her ein paar Infos über den Einfluß herein, den die ACEA (das ist die „Association des Constructeurs Européens d’Automobiles“) in Brüssel nimmt.

Hier Der Link mit .PDFs der diversen Dokumente und Memos:

http://corporateeurope.org/climate-and-energy/2016/01/scandal-hit-car-industry-driving-seat-new-emissions-regulations

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