Kurze Durchsagen ’14 Teil X: IHK fürchtet Verkehrschaos, und: Radl-Pendler am Glücklichsten

Oberbayern: Die IHK München und Oberbayern hat das hohe Verkehrsaufkommen in München als Hemmschuh für weiteres Wachstum ausgemacht. Die Lösung haben sie auch, direkt von Captain Obvious: “Ein leistungsfähigeres Netz an Hauptstraßen könne das Verkehrsaufkommen bündeln und flüssiger machen.”

Radl-Pendler sind am Glücklichsten: Die Portland State University hat eine Reihe Studien am Start, die den modernen Verkehr von der Seite betrachten. Dabei sind Themen wie “ist die aktuell bei Straßenplanungen angenommene Geh-Geschwindigkeit richtig?” oder “Was beeinflußt die Art, wie Kinder den Weg zur Schule zurücklegen?”. Eine der Studien maß den Betrag des “Zufrieden Seins” (“Commute Well-Beeing”) von Nutzern verschiedener Verkehrsmittel zum Pendeln (Zu-Fuß-Gehen, Radfahren, Autofahren, etc..). Wenig überraschend, liegen die Radler vorn vor den Fußgängern. Auf dem letzten Platz: Einzel-Autofahrer.

http://bikeportland.org/2013/01/30/bike-commuters-are-happiest-and-other-psu-research-tidbits-82448?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+BikePortland+%28BikePortland.org%29

http://bikeportland.org/wp-content/uploads/2013/01/TRB_Osmith_55x44.pdf

PS: Laut Stern.de haben Radpendler noch eins: Besseren Sex :)

http://www.stern.de/auto/news/mit-dem-fahrrad-zur-arbeit-fahrradpendler-haben-besseren-sex-2136184.html

 

Radkultur

Zwei Fundstücke zum Thema Radkultur:

“Ridesabike” ist eine wunderbare Website, betrieben von Jennifer Pope. Ausschliesslich Bilder aus allen Epochen von Promis auf, mit, neben oder unter dem Rad. Es fehlt keiner, von Audrey Hepburn bis zu den Bee Gees. Kult- und Spaßfaktor: hoch!

http://ridesabike.com/

“Race against the Stasi” – das Buch nimmt sich die Geschichte des Radsportles Dieter Wiedemann bei der Friedensfahrt zum Leitfaden, um einen tiefen Einblick in die Mechanismen aus Sport und Politik  der Zeit des Kalten Krieges zu gewähren.

Autor Herbie Sykes ist ein Kenner des Radsports Ost und hat bereits mehrfach über das Thema geschrieben. Leseempfehlung!

http://inrng.com/2014/10/book-review-the-race-against-the-stasi/

 

 

Neues aus London und Absurdistan

London: einige größere Anwaltsfirmen mit Sitz in der Londoner City machen sich öffentlich für Fahrradinfrastruktur stark:

https://cyclingworks.wordpress.com/category/legal/

Absurdistan: 7 Nachwuchs-High-Potentials aus der Oberstufe von Uslar haben im Rahmen eines “Management Information Game” eine tolle Idee entwickelt: Ein Bobby-Car, das nicht nur die Heli-Eltern per App über den Standort des Nachwuchses informiert (Spart das mühsame eigenhändige Beaufsichtigen des Nachwuchses, das hält vom Daddeln auf dem Ipad ab), sondern das Rutschauto auch per Bremse blockiert, wenn der zugehörige Styroporhut mehr als 3m vom Pampers-SUV entfernt ist. Das ganze läuft unter dem Begriff “Helmet Safety System”. Weitere Features sind ein Tempo-Limiter :D und eine wunderbar blinkende Lichtanlage.

Das ist doch mal ein Fortschritt in Richtung Erziehung zu sicherem Verkehrsverhalten, wir sind ja schon lange der Meinung, dass ein Helm beim Autofahren weitaus sinnvoller wäre als beim Radfahren.

Weiter so, Jungs, ihr könnt es noch weit bringen, vielleicht wachst ihr sogar noch in eure Anzüge! Und es bestätigt das Vorurteil, dass die Manager von morgen bereits in ihrer Jugend merkbefreite Spaßbremsen waren…

http://www.hna.de/lokales/uslar-solling/gymnasiasten-jungunternehmer-preisen-bobbycar-peilsender-4177209.html

Absurdistan 2: Wenn bei 250 Unfällen 100 mal das Opfer -in dem Fall: der Radfahrer- der Unfallverursacher ist, aber in 124 Fällen der Autofahrer, schlußfolgert die “MZ”: “Ältere Radfahrer sind besonders unvorsichtig“. Äh, ja. Bißchen #victimblaming?

http://www.mz-web.de/koethen/aeltere-radfahrer-sind-besonders-unvorsichtig,20641024,28796048.html

Bohmte (Niedersachsen) wagt “Shared Space”

Bohmte (Niedersachsen): Die Gemeinde Bohmte in Niedersachsen praktiziert seit 2006 auf ihrer Hauptverkehrsstraße den “Shared Space“, also einen Verkehr ohne Regelung durch Schilder, Ampeln, oder fest zugewiesene Verkehrsflächen wie “Straße – Radweg – Gehweg”. Seit 2008 sind dort nahezu alle Verkehrsschilder verschwunden.

Der Effekt ist sehr positiv, die befürchteten negativen Auswirkungen sind ausgeblieben.

Und bevor jetzt jemand meint, klar, Bohmte, nie gehört, muß ein Verkehrsaufkommen von 3 Leuten und 5 Kühen pro Tag haben, nein: Die Hauptstrasse hat 12.000 PKW und LKW-Bewegungen pro Tag. Das ist eine ähnliche Größenordnung wie die Garmischer Zugspitzstrasse, wo die Anwohner vehement einen sauteuren Umgehungstunnel fordern.

http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/verkehr-ohne-schilder-und-regeln-shared-space-in-bohmte-a-993212.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Shared_Space_in_Bohmte

 

München: CSU-Fraktion rückt die Welt wieder gerade

München hat seit einem halben Jahr eine Groko im Rathaus, die mal so richtig durchregieren kann.

Georg Schlagbauer (CSU), seines Zeichens Metzgermeister, ist bis jetzt im Stadtrat durch Anträge aufgefallen, die den Proporz des MIV sicherstellen sollen (“…Auf keinen Fall dürfen Vorrechte für Radfahrer eingeräumt oder faktisch ermöglicht werden…”).

Jetzt macht er in der “Bild München” einen Vorstoß (“Radler runter von Hauptstraßen!“), die unhaltbaren Zustände in unserer schönen Stadt (Radfahrer! Auf UNSEREN Autostrassen!!!) gerade zu rücken.

Fahrradrouten sollten weitgehend vom Hauptstraßennetz entkoppelt werden, so dass der Verkehr besser fließen kann

Klare Sache, Radfahrer sind ja auch kein Verkehr, sondern:

Schlagbauer möchte die Radler stattdessen vorrangig „entlang landschaftlich oder städtebaulich reizvoller Strecken“ strampeln lassen

Radfahren tut Papi am Sonntag nachmittag, 5km weit, 3x im Jahr. Soweit die Vision der CSU vom urbanen Verkehr der Zukunft.

Ich werte das als einen ersten kleinen Schritt, von vielen, die noch folgen werden. Der katholische Flügel der Stadtregierung (andere Unterscheidungsmerkmale zwischen der Münchner SPD und der CSU sind mir bis jetzt nicht aufgefallen) macht sich daran, die Spuren des Rot-Grünen Chaosses der Vorgängerregierung zu korrigieren.

Oben auf der Agenda steht die Zurückentwicklung von der “Radlhauptstadt” zur Allradhauptstadt, denn was ein anständiger Mensch ist, fährt SUV, nicht MTB. Beziehungsweise letzteres allenfalls in seiner Freizeit zum Vergnügen, aber Verkehr findet gefälligst motosiert statt.

Wer hat die nochmal gewählt?… :p

#AllradhauptstadtMünchen #ExRadlhauptstadt

Chris Boardman, Radlobbyist

Es ist ein Genuß, wie Chris Boardman (MBE), der hier im Blog schon einmal Thema war, sich für die Vernunft in der Diskussion um den Fahrradverkehr reinhaut :)

Im Dezember war er mit anderen Experten zu einer Diskussion des “Transport Select Comitee”, also vergleichbar unserem Verkehrsausschuß, geladen.

Thema war (eigentlich) der Tod von 6 (!) Radfahren auf Londons Straßen innerhalb kurzer Zeit, und wie man die Sicherheit verbessern könnte.

Allerdings driftete laut Boardman die Diskussion schnell ab – nämlich a) Helmpflicht, b) Fahrradsteuer als Beitrag zum Straßenunterhalt, und c) Radführerschein und Radkennzeichen, garniert mit lustigen Anekdoten, deren Inhalt wir uns denken können. (Besonders witzig an der Stelle ist, dass in UK die zweckgebundene “road tax” seit 1937 abgeschafft ist und Ausgaben für die Infrastruktur ganz allgemein aus dem Staatshaushalt bestritten werden).

Deja-Vu irgendjemand? Da fehlt eigentlich bloß nach Kampfradl-Peter, der hat ja jetzt Zeit, und er hätte Punkt d) “Austreiben des Überlegenheitsgefühls” mit auf die Agenda bringen können :D

Zu seinen Eindrücken befragt, machte Boardman jedenfalls keine Mördergrube aus seinem Herzen:

…the MPs demonstrated that they didn’t even know the most basic of facts. Evidence and statistics were bypassed in favour of opinions and anecdotes on sideline topics…

Der ganze Artikel mit Boardmans Statement in voller Länge ist für die Anglophonen hier nachzulesen!

http://road.cc/content/news/100104-chris-boardman-says-mps-should-be-embarrassed%E2%80%9D-don%E2%80%99t-even-know-most-basic-facts%E2%80%9D

Und Chris gibt keine Ruhe! Jüngst für die “Radio Times” interviewt, macht er auch hier keine Gefangenen:

The logical thing is to make cycling and walking your preferred transport. You make sure that streets prioritise people over vehicles. You legislate and fund accordingly.

Walking, cycling, public transport, taxis, private cars. In that order. At the moment it’s almost totally the other way round. It’s not logical or sustainable.

http://road.cc/content/news/126023-chris-boardman-says-it%E2%80%99s-ridiculous%E2%80%9D-government-continue-building-roads

 

Tja, England hat Boardman, wir haben Scharping – Wir gehen mal ein bißchen weinen… Und rufen: Go Chris!!!

Düsseldorfer Radnacht – Neues aus Absurdistan

Die “Düsseldorfer Radnacht”, veranstaltet von der “Rollnacht Düsseldorf UG” und unterstützt von der Verkehrswacht Düsseldorf, der Stadt Düsseldorf und der Polizei Düsseldorf, hat seit neulich eine Helmpflicht verhängt. Überwacht wird das von 10 Ordnern. “Ohne Helm auf dem Kopf gibt es keinen Zugang zur Startaufstellung!”, strahlen die beiden Veranstalter glücklich über beide Ohren.

Effekt: Die Teilnehmerzahl sank von 4700 (pei der Premiere im Herbst 2013) auf 2800. Das macht Veranstalter Vogel gleich noch glücklicher: “Die geringere Teilnehmerzahl habe einen positiven Nebeneffekt, sagt Vogel: Die Verkehrssperrungen seien schneller wieder beseitigt gewesen.”

Na das freut sicher alle, dass eine Helmpflicht dazu beiträgt, dass der richtige Verkehr schneller wieder fließen kann! Ich hätte noch einen Top-Tipp für die Veranstalter: Den Käse ganz sein lassen, dann geht das *noch* schneller!

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/blaulicht/radnacht-helmpflicht-haelt-teilnehmer-ab-aid-1.4434233

 

Lesen Sie morgen an gleicher Stelle:

+++ Stoßgebet erhört +++ Düsseldorfer Eventveranstalter unter Tonnen von Hirn begraben +++ Helm verhinderte Schlimmeres +++ äußerlich unversehrte Überreste konnten den Angehörigen übergeben werden ++++