Gute Nachrichten für München

Gute Nachrichten für Münchens Radler:

Wilfried Blume-Beyerles Vertrag als Kreisverwaltungsreferent wird von den ursprünglich vorgesehenen dreieinhalb Jahren (dann hätte er, Ende diesen Jahres, das Pensionsalter erreicht) auf die üblichen sechs Jahre verlängert. Somit bleibt er uns weitere zweieinhalb Jahre erhalten!

Blume-Beyerle ist die gute Seele aller Münchner Radfahrer und ein angenehm unaufgeregter Gegenpol zu allen möglichen profilierungssüchtigen Lokalpolitikern und kontrollwütigen Ordnungshütern.

Getaggt mit

“Deutsche Strassen dramatisch schlecht”

Die Verkehrsminister schlagen Alarm, weil der Zustand deutscher Strassen “dramatisch schlecht” sei. Dr. Peter Ramsauer ist derselben Meinung: “Zu lange ist zu viel vernachlässigt worden“, so Hobbypianist Ramsauer.

Da hat er recht. Man sollte den/die Verantwortlichen mal an den Löffeln ziehen, wer war noch gleich Bundesminister für Verkehr..?

Es fehlen, je nachdem, wen man fragt, 2,5 Milliarden jährlich (DIHK-Chef Eric Schweitzer). Oder auch 7,2 Milliarden – “zurückhaltend geschätzt” (NRW-Verkehrsminister Groschek). Wer wird sich über Kleinigkeiten aufregen.

Aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben, es ist nicht so, dass Herr Dr. Ramsauer in seiner Amtszeit (seit 2009) nichts dagegen unternommen hätte, und er weiß auch, wo anfangen: Die Bundesmittel für den Radwegebau wurden bereits von 100 Mio auf 50 Mio halbiert. Begrüßenswert! Das erspart uns so manchen Zweirichtungsradweg mit gelegentlichen Seitenwechsel für erhöhten Nervenkitzel an Bundesstrassen, die das Verkehrsministerium als den Gipfel moderner Fahrradinfrastruktur zu betrachten scheint.

Wir sind zuversichtlich, dass der findige Peter auch die übrigen 2,495 Milliarden (beziehungsweise 7,195 Millarden in NRW) auch noch irgendwo auftreibt.

Wie meint der schleswig-holsteinische Kollege Meyer so treffend:

“Für den Wirtschaftsstandort Deutschland gilt aber: Beides, Bildung und Infrastruktur, ist gleichermaßen wichtig”

Fargt sich nur noch, wieviele Meter Autobahn entsprechen einem Abitur?

 

Getaggt mit , , , , ,

Frühling!

 

 

 

Ueberlegen

Getaggt mit , , , , ,

Frühjahrskontrollen beginnen!

Das Frühjahr ist gekommen, die Bäume schlagen aus, und die Polizisten rücken aus, zu den all-frühjährlichen Radfahrerkontrollen.

Vorreiter waren diesmal die Berliner, die “zu unterschiedlichen Tageszeiten” [...] mit “549 stationären Verkehrskontrollen und einer Vielzahl von zivilen Kontrollstreifen..” eine Woche lang (von 11. bis 17. März) unterwegs waren. Im Fokus standen ausdrücklich “Auto- und Radfahrer“.

Das Ergebnis bestätigte die apokalyptischen Visionen der Herren vom Schlage Ramsauer (“verrohte Kampfradler”) oder Kay Nehm (“kaum ein Radler hält sich an die Regeln”) in keiner Weise.

Vielmehr wurden beanstandet: 2704 unangeschnallte Autofahrer (davon 99 Kinder) und 2235 motorisierte illegale Handybenutzer – im Gegensatz zu 45 ertappten Radfahrern.

Quelle: Tagesspiegel

Getaggt mit , , ,

London: 1 Milliarde £ für 10-Jahresplan Radverkehr

Londons Bürgermeister Boris Johnson hat einen Plan öffentlich gemacht, der die Förderung des Radverkehrs in London zum Ziel hat. Das Papier heißt “MAYOR’S VISION FOR CYCLING IN LONDON” (Link) und stellt Investitionen von 913 Millionen £ (1.048 Milliarden €) in den nächsten 10 Jahren in Aussicht. Für eine Stadt!

In dem Papier finden sich einige bemerkenswerte Aussagen. Zwar umfasst auch dieser Plan den Bau vieler separierter Radwege, mit denen wir in Deutschland sehr zwiespältige Erfahrungen haben, aber es ist auch von einem Netz von sogenannten “Quietways” die Rede, das sind Radrouten durch verkehrsarme Strassen. Eine Einschränkung des Radverkehrs auf solche Wege wird ausdrücklich abgelehnt: “But nothing I do will affect cyclists’ freedom to use any road they choose”.

Das Programm umfasst außerdem den Punkt “Safer Streets”, der  unter anderem Tempolimits (20 mph Zonen),  der Entschärfung gefährlicher Kreuzungen, strengere Vorschriften für LKWs und auch detaillierte Unfallanalyse umfasst. Weitere Punkte betreffen ein Netz aus Leihrädern und die Vernetzung des Radverkehrs mit dem ÖPNV.

Alles in allem kann man sagen, ein Meilenstein für den Radverkehr, von dem sich bei uns, im Land der “Radhauptstädte” und nationalen Radverkehrspläne, nicht nur eine, sondern gleich einige Scheiben abgeschnitten werden sollten.

Cycling will be treated not as niche, marginal, or an afterthought, but as what it is: an integral part of the transport network, with the capital spending, road space and traffic planners’ attention befitting that role.

I want cycling to be normal, a part of everyday life. I want it to be something you feel comfortable doing in your ordinary clothes, something you hardly think about.

(“Radfahren wird nicht als Nische, Randerscheinung oder im Nachgedanken behandelt, sondern als das, was es ist: Ein integraler Bestandteil des Verkehrs, mit dem Budget, dem Platz auf der Strasse und der Aufmerksamkeit der Verkehrsplander, die dieser Rolle zustehen. Ich möchte, dass das Radfahren ein normaler Bestandteil des Alltags wird. Es soll etwas sein, das man ohne groß Nachzudenken in seiner Alltagskleidung tut.”)

Dazu noch ein kleiner Vergleich des Londoner Plans mit der deutschen verkehrspolitischen Realität:

London:

  • Gesamtbudget für Routen, Kreuzungen und fahrradspezifische Verbesserungen in Vorstädten wird ca. um das 5-fache angehoben, von unter 120 Mio £ auf 550-600 Mio £
  • Radverkehrsbudget verdreifacht auf 913 Mio £

Deutschland:

  • Bundes-Mittel für den Radverkehr zusammengestrichen von 100 Mio 2010 auf 50 Mio 2013

Boris Johnson:

at the very heart of this strategy is my belief that helping cycling will not just help cyclists. It will create better places for everyone. It means less traffic, more trees, more places to sit and eat a sandwich. It means new life, new vitality and lower crime on underused streets. It means more seats on the Tube, less competition for a parking place and fewer cars in front of yours at the lights.

(“Der Kern dieser Strategie ist meine Überzeugung, dass man nicht nur Radfahren hilft, wenn man dem Radfahren hilft. Es wird eine bessere Umgebung für alle schaffen. Es bedeutet weniger Verkehr, mehr Bäume, mehr Orte, wo man sich setzen und ein Sandwich essen kann. Es bedeutet Belebung, Vitalität und weniger Verbrechen auf weniger genutzen Strassen. Es bedeutet mehr Platz in der U-Bahn, weniger Kampf um Parkplätze und weniger Autos vor Dir an der roten Ampel”)

Peter Ramsauer:

“den Radfahrern muß ihr Überlegenheitsgefühl ausgetrieben werden”

Getaggt mit , , ,

Jagdszenen aus Rosenheim

Heute mal wieder ein Beitrag aus der beliebten Reihe “Gesetzeshüter reißt Radfahrer vom Rad”. Scheint ja zum Trend zu werden, siehe diese Fälle aus München und Passau.

In dem Fall sogar mit einem prominenten Hauptdarsteller, dem Ex-Polizeichef von Rosenheim, der schon anderweitig gezeigt hat, was es mit der “starken Hand des Gesetzes” auf sich hat.

In dem Fall hat er -wenige Monate vor dem Vorfall beim Herbstfest- einen Radfahrer vom Rad gezogen, um ihn, wie es so schön heißt, “auf eine mögliche Ordnungswidrigkeit hinzuweisen”. Beide verletzten sich bei der Aktion so, dass sie arbeitsunfähig geschrieben wurden. Es folgt das übliche Trauerspiel aus “Verfahren gegen Polizisten wird nicht eröffnet” bzw. “Bürger soll blechen”. Der Freistaat hätte gern 1355,11€ von seinem Bürger für den Schaden am sympathischen Ordnungshüter, obwohl dessen eigener Kollege den Einsatz als “unverhältnismäßig” beurteilt. Wenn man den üblichen Korpsgeist bei derartigen Verhandlungen kennt, wo schon mal alle Beamten -unabhängig voneinander natürlich- das selbe Protokoll abgeben und saudummerweise die Kameras immer dann versagen, wenn gerade Selbstverteidigung durchgeführt wird, der Herr Polizeichef ist wohl bei den eigenen Kollegen nicht sonderlich beliebt :)

Merkur-Artikel dazu: http://www.merkur-online.de/aktuelles/bayern/polizeichef-reisst-mann-soll-zahlen-2752113.html
Rosenheim24.de, etwas ausführlicher: http://www.rosenheim24.de/rosenheim/rosenheim-stadt/rosenheim-wenn-polizeichef-zupackt-rosenheim24-2752566.html

Getaggt mit , , ,

Warum eigentlich nicht…?

Beziehungsweise: Warum eigentlich? :)

 

426155_10151399598291865_755386858_n

Getaggt mit

Wer kein Auto fährt, ist verdächtig

Unser Schienenersatzverkehrsminister Ramsauer hat ja angekündigt, er habe es sich zum Ziel gesetzt, “den Radfahrern ihr Überlegenheitsgefühl austreiben” zu wollen. Recht so, wer sich überlegen fühlen will, soll sich in sein Auto setzen, das ist der richtige Platz dafür.

In Arkansas, genauer im Städtchen Paragould, ist man da schon einen Schritt weiter:

Hier läßt man neuerdings nachts Polizisten in voller SWAT-Montur und mit Sturmgewehren bewaffnet patroullieren, um jeden Fußgänger rigoros zu kontrollieren, wie Bürgermeister Mike Gaskill und Police Chief Todd Stovall ankündigten.

“Die Polizisten werden SWAT Ausrüstung und AR15s tragen”sagte Stovall. “Wenn Sie draußen zu Fuß gehen, wird man Sie anhalten und fragen, warum Sie zu Fuß gehen, und ihre ID überprüfen.”

Polizisten in SWAT-Montur:

Foto (c) Oregon Department of Transportation/Creativecommons

Polizei in SWAT Ausrüstung – (c) Oregon Department of Transport, Creative Commons Lizenz

(Bürgermeister) Gaskill unterstützt Stovalls Pläne.

“Vielleicht tun Sie ja nichts, außer Ihren Hund Gassi zu führen, aber das müssen Sie uns beweisen.”

“Um Ihre ID überprüfen zu dürfen, muss ein Grund vorliegen”, so Gaskill. “Nun, ich habe statistische Gründe, die besagen, dass es gerade eine Menge Verbrechen gibt, und das ist ein triftiger Grund für mich, Sie zu befragen, was sie auf der Strasse tun. Außerdem sind die Bürger verängstigt (scared), und das gibt uns noch mehr Grund, Sie zu befragen, warum sie hier sind und was Sie in der Gegend zu suchen haben”.

Hm, das eröffnet doch Betätigungsfelder, Herr Ramsauer. Schliesslich hat sogar die dpa neulich in einer Umfrage herausgefunden, dass sich 88% der Autofahrer von Radfahrern “bedroht” fühlen (wenn man den richtigen Leuten die richtigen Fragen stellt)…

Getaggt mit , ,

Neues vom Ramsauer

Der Ober-Kampfradler-Jäger, unser Konzertpianist und Schienenersatzverkehrsminister Ramsauer, hat sich mal wieder in der Öffentlichkeit blicken lassen.

Und zwar war er beim Fernseh-Talk zum Thema „Blitzer, Steuern, City-Maut – freie Fahrt nur für reiche Bürger?“ beim bekannt seriösen Talk von Plasberg im gebührenfinanzierten ARD.

(Allein der Titel ist schon Klasse, anscheinend zählen Strafen für zu schnelles Fahren zu den Autofahrer-Ausgaben, die absolut unvermeidbar sind, unausweichlich, so wie Tod und Steuern..)

Dabei tat er, wie wir das gewohnt sind, einige denkwürdige Aussagen.

Zum generellen Tempolimit auf Autobahnen fällt ihm ein, dass “gegen Verkehrsrowdys kein Kraut gewachsen” sei. Klingt das nach Kapitulation? Bei dem Thema entdeckt er aber schlagartig den Liberalen in sich: “„Der Staat muss nur so viel eingreifen und regeln, wie er unbedingt muss. Wir haben die sichersten Straßen der Welt. Wir sollten stolz auf unsere sicheren Straßen sein!

Außer natürlich, es sind Kampfradler zugegen, gell, Herr Minister.

Witzig auch der “Verkehrszeichentest” am Ende der Sendung, bei dem Ramsauer an einem Schild mit der Bedeutung “Radfahrer kreuzen und haben Vorfahrt” scheiterte. Muß ihm neu gewesen sein, dass Radfahrer auch mal Vorfahrt haben können.

Verkehrsregeln zu kennen, ist für Minister und Autofahrer natürlich fakultativ, streng wrden muß man nur bei wirtschaftsschädigenden Hungerleidern auf Affengestellen: ”Ich habe zum Beispiel beobachtet, wie Radler unter den Augen von Polizisten rote Ampeln und jede Verkehrsregeln missachten“, sagte Ramsauer einst… und es gelte,  ”der Verrohung dieser Kampfradler endlich Einhalt zu gebieten“.

Darüber kann man streiten. Dummschwätzenden Politikern kann man allerdings schon Einhalt gebieten, zum Beispiel am 15.September (Bayern) oder am 22. September (Bund).

Getaggt mit , , ,

“mucradblog” unter den Top 50 der deutschen Radblogs!

Fahrradjournal“, eins der führenden deutschen Radblogs, hat eine Rangliste der 50 “top german bike blogs 2012″ aufgestellt.

Es freut mich, dass es das “mucradblog” auf Platz 28 geschafft hat! Danke, Kollegen! :)

Gratulation auch an die Freunde von “klassikerausfahrt.de“, “Eisenschweinkader“, “radfahreralltag“, Marco Laufenbergs “mit dem Fahrrad in und um Köln“, “bxa’s greetings from Germany” und “Highner und Bikes“, die ebenfalls gelistet wurden!

Getaggt mit ,

2012 in review

Knapp ein Jahr mucradblog… ich bedanke mich bei allen Lesern! Hier ein paar (automatisch generierte) Fakten und Zahlen:

Hier ist ein Auszug:

4.329 Filme wurden beim Cannes Film Festival 2012 eingereicht. Dieses Blog hatte 19.000 Besucher in 2012. Wenn jeder Besucher ein Film wäre, dann würde dieses Blog 4 Film Festivals füllen

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Getaggt mit

Schöne neue Mobilitätswelt

Wie Mobilität in 20 Jahren (angeblich) aussieht, darüber kann man sich in einer Studie informieren, auf die die “Zeit” bzw. die “Wirtschaftswoche green” hinweisen.

Zeit online: “Die Zukunft liegt im Mobilitätspool
Wirtschaftswoche green: “So sieht der Verkehr der Zukunft aus
Die Pressemitteilung: 

In der Studie stehen viele kluge Dinge – Auto verliert seinen Charakter als Statussymbol, vernetzte Mobilität usw. Kann man sich schon so vorstellen.

Warum ich die Studie hier im Blog erwähne?

Es fallen mehrere Dinge unangenehm auf.

1. Die “Zeit” nennt als Beispiel für eine der 16 Thesen, die für die Studie von 248 Experten bewerten ließ, diese:

“2030: Das traditionelle Eigentum von Fortbewegungsmitteln hat für Endnutzer an Bedeutung verloren” und “2030: Die Bereitschaft der Endnutzer zur Freigabe persönlicher Daten für Unternehmen (gläserner Kunde) ermöglicht eine optimale Abstimmung von Mobilitätsdienstleistungen auf die individuellen Bedürfnisse.”

Überhaupt scheint man gerne Daten zu sammeln:

“In einem Zentralrechner sind sämtliche verkehrsrelevanten Informationen gespeichert: Tarife, Fahrpläne, Wetterdaten, Staus auf Autobahnen und anderen Straßen und vieles mehr. Aus diesem Datenpool kann sich jeder bedienen, etwa per Smart Phone, um die schnellste, preiswerteste und umweltverträglichste Möglichkeit zu ermitteln, das jeweilige Ziel zu erreichen.”

(Hervorhebung von mir). Das “und vieles mehr” glaube ich denen auf’s Wort :D

Bin ich der Einzige, den es bei sowas milde gruselt?

2. Bei den möglichen Verkehrsmitteln, die nach der Studie bei der “Multimodalität” für eine “komfortable, ressourcenoptimale und umweltfreundliche Fortbewegung” zusammenspielen sollen, kommt alles vor, sogar Kuriositäten wie das Segway (das Pedelec fehlt selbstverständlich auch nicht), aber nur solche, die Geld kosten in Anschaffung und/oder wenigstens Unterhalt.

Was nicht vorkommt, sind Dinge, die wenig oder nichts kosten, zB Das Fahrrad. Oder das gute, alte zu Fuß gehen.

Nebenbei wird ein bißchen für weitere Privatisierung geworben:

“Der Staat müsse sich als Anbieter von Verkehrsdienstleistungen zugunsten der privaten Wirtschaft zurückziehen und nur noch als eine Art Moderator wirken. Die Autoren der Studie glauben, dass die Mobilität der Zukunft teurer wird als die heutige, allerdings auch komfortabler und schneller.”

Was nix kostet, kann nix sein :D Wie heißt es so schön weiter:

“Das System übernimmt zudem die Zahlungsabwicklung.”

Na, dann ist ja alles in Butter. Vor allem für die Förderer der beiden Institutionen, von denen die Studie stammt: Nestlé, Volkswagen, McDonald’s, Procter&Gamble, Deutsche Bank, Coca Cola usw usw usw. Wären’s keine Think Tanks, könnte man meinen, Attac stecke hinter der Sache :D

Ein Inder auf dem Fahrrad erzeugt halt keine Umsätze.

“ Der Markt für multimodale Mobilität wird dominiert von Unternehmen (und Unternehmensclustern), die Mobilität als Dienstleistung bereitstellen.”

Getaggt mit , ,

Eine kleine Medienschelte

Was einem so auffällt, wenn man routinemäßig die Nachrichtenseiten der regionalen Zeitungen querliest…

Zum Beispiel meine Freunde vom “Münchner Merkur” (bzw. der “tz”, die gehören zur selben Gruppe und der Webauftritt teilt sich oft Artikel).

Da wurde heute wieder über zwei Verkehrsunfälle berichtet mit nicht unerheblichem “Personenschaden”.

1. Fall: Ein Autofahrer fährt mit vereister Scheibe, übersieht eine 90-jährige Fußgängerin und tötet sie

2. Fall: Ein Autofahrer fährt auf der Autobahn von hinten(!) in einen LKW, der gerade einen anderen überholt, und verletzt sich dabei schwer

Wie titelt der Merkur die entsptrechenden Schlagzeilen?

Antwort: Wie immer. “BMW gerät mit zwei Brummis aneinander” beziehungsweise “90-Jährige stirbt nach Verkehrsunfall

Auch der Text, vermutlich ohne Änderung der Polizeimeldung, verharmlosend. Keiner war schuld. Bedauerliche Opfer. Passiert eben. Der Fahrer war sowieso nicht schuld, sondern höchstens sein Auto… und “Aneinandergeraten” kann man ja schon mal. Keine Schuldzuweisungen oder ähnliches, nüchterner Reportagestil. Lakonisch.

Die Frontscheibe des Wagens war am Samstag zum Teil stark vereist – der 67 Jahre alte Fahrer konnte kaum etwas sehen, wie die Polizei mitteilte. Die Frau starb im Krankenhaus.

oder

Nach ersten Erkenntnissen überholte ein Brummi aus dem Landkreis Kulmbach einen Lastwagen aus Österreich. Ein von hinten herannahender BMW-Fahrer aus dem Raum München erkannte die Situation zu spät und touchierte in Folge beide Brummis.

Man könnte jetzt auch sagen, in einem Fall musste ein Mensch sterben, weil einer zu faul war zum Eiskratzen, und im anderen Fall muss der Verursacher entweder im Vollschlaf gewesen sein oder gefahren sein wie eine Gesengte. Zwei LKWs nebeneinander, die kann man schon mal übersehen, wenn gerade auf dem Smartphone was Spannendes passiert.

Mag man sich vorstellen, wie die Berichterstattung ausgesehen hätte, wenn Unfälle mit ähnlichen Folgen durch Radfahrer verursacht worden wären? Könnten wir und vor Radlrambo-Schlagzeilen, Verkehrsminister-Sprüchen und Polizei-Pressekonferenzen, in denen das allgemeine Rowdytum von Radfahrern Thema wäre, retten?

Getaggt mit , , ,

Kuhdorf ist sauer, weil es keinen Radweg gesponsort bekommt

Landkreis Erding, Gemeinde Hofstarring.

Dort hat man sich in den Kopf gesetzt, dass die über die Landkreisgrenzen hinaus als Verkehrshölle bekannte “Kreisstrasse ED 28” unbedingt einen Radweg braucht. Der dort herrschende dichte Verkehr -an Spitzentagen zählt man bis zu fünf Traktoren- muss von der Geißel marodierender Radfahrerbanden befreit werden, die tagtäglich in großer Anzahl das Fortkommen fast unmöglich machen. Für dieses Vorhaben, das zweifelsohne einen enormen Beitrag zur Verbesserung der bayr. Verkehrsunfallstatistik zur Folge hätte, hätte der Landkreis gern Geld vom Freistaat, so ein Radweg ist nicht billig, das Projekt ist mit 305000€ budgetiert, was dem Gegenwert von 3,8 Deutz Agrotron TTV430 entspricht.

Jetzt liegt dummerweise die Metropole Hofstarring an dem Prachtboulevard.

Für die, die es nicht kennen: Das ist Hofstarring:

Digitales Orthophoto : © 2012 Bayerische Vermessungsverwaltung

Digitales Orthophoto : © 2012 Bayerische Vermessungsverwaltung

Und da weder beim Freistaat, noch beim Landkreis jemand lesen kann, ist man gemeinsam irgendwie auf die Idee gekommen, innerorts dürfe man keinen Radweg anlegen.

das Gericht habe 2010 „die neue Rechtsposition geschaffen, dass die Benutzung eines Radwegs innerhalb geschlossener Ortschaften nicht mehr angeordnet werden kann“

weint Landrat Beyerstorfer in den Notizblock des Korrespondenten des “Münchner Merkur”.

Das ist natürlich Quatsch.

Natürlich darf man weiterhin benutzungspflichtige Radwege anlegen, man muss nur die “besondere Gefährlichkeit” einer Strassenbenutzung nachweisen. Und von einer Unterscheidung innerorts/außerorts steht in dem Urteil weit und breit nichts, nur hat sich in den bayrischen Verwaltungsbehörden offensichtlich der Konsens durchgesetzt, das Urteil auf diese Weise zu mißachten interpretieren. Wird wohl mal wieder Zeit für einen persönlichen Brief an den Radfahrerkollegen Herrmann, seines Zeichens bayr. Innenminister und damit oberster Straßenbauer im Land.

Aber auch bei der jetzigen Interpretation können die Hofstarringer selbstverständlich ihren Radweg bauen, nur dürfen sie ihn nicht benutzungspflichtig machen. Und zahlen müssen sie ihn selber, nicht der Freistaat.

 „Es ist eine Schweinerei, aber es hilft nichts“

so das Schlußwort von Hans Peis (CSU).

(Danke an Jigga für den Tipp)

Getaggt mit , ,

CDU Südwest fordert Maut für E-Bikes

Anscheinend läuft gerade ein Wettbewerb im Verein der “Politiker, von denen noch nie jemand gehört hat”, wer den schwachsinnigsten radpolitischen Vorschlag in die Zeitung kriegt. FDP-Mann von Lüdeke hat ja schon mal schwer vorgelegt, das konnte der schwäbische Landtagsabgeordnete Dr. Löffler/CDU, offensichtlich ein Mann mit Vision (Sein politisches Leitbild beginnt er auf seiner Homepage mit “Baden-Württemberg ist einzigartig in seiner Weltoffenheit[..]“), natürlich nicht auf sich sitzen lassen.

Sein Konter ist nicht ganz so phantasievoll wie von Lüdekes Steilvorlage, man merkt, dass er IBM-Manager ist und nicht Marketingfachmann. Er wünscht sich nämlich eine Maut für Elektrofahrräder, wie die Stuttgarter Nachrichten berichten.

Die Begründung ist auch Klasse:

Damit ließe sich ”sehr viel Geld einbringen” – da lacht das Schwabenherz natürlich! Da ist jedes weitere Nachfragen nach dem Sinn überflüssig, money talks.

Und was tun mit der ganzen Kohle? Klar, natürlich Radwege bauen!

[..]E-Bikes [werden] erheblich vom Staat subventioniert. Insofern könnten deren Nutzer an den Kosten doch beteiligt werden, wenn für sie auch noch eigens neue Radwege gebaut würden, argumentiert der CDU-Politiker. „Wir können nicht immer nur einseitig die Autofahrer belasten.“

Genau, die armen Autofahrer, die Melkkühe der Nation, sie und die notleidende Automobilindustrie würde natürlich nie einer subventionieren, etwa mit Strompreisausgleich oder Abwrackprämien, gell, Herr Dokter?

Und die Radwege dienen, ehm, welchem Zweck nochmal?

Da springt (im selben Artikel) der Verkehrsminister und Helmpflichtvorreiter Winfried “Styrobrain” Hermann von den Grünen bei:

“Der Bau von Radwegen rechne sich auf lange Sicht[...] sie [leisten] einen Beitrag zur Stauvermeidung”

Womit wir beim Punkt wären: Freie Fahrt für Porsche und Daimler, so sieht schwarze und grüne Verkehrspolitik aus.

Getaggt mit ,

FDP-Mann mal kreativ

Irgendein Wahlkampf steht ja eigentlich immer an, und um mal den eigenen Namen in der Zeitung stehen zu haben, legt so mancher Hinterbänkler ungeahnte Kreativität an den Tag. So auch der Berliner  ”Verkehrsexperte” Klaus-Peter von Lüdeke von der FDP, zur Zeit leider nicht im Abgeordnetenhaus vertreten, aber Vorsitzender der FDP Zehlendorf-Wildwest – das verpflichtet -, der offensichtlich am Medien-Aufmerksamkeits-Defizit leidet. Aber der Mann ist selbstständiger Marketingberater von Beruf und hat sich gesagt: Erstens, auf Radfahrer draufhauen kommt immer gut an beim Boulevard, und zweitens, je dümmer die Idee ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie einer abdruckt.

Also hat er sich Schranken gegen Rotlichtradler einfallen lassen, und die BZ war verzweifelt genug, das auch noch abzudrucken.

Denn immerhin 179 der jährlich rund 130.000 Berliner Verkehrsunfälle werden durch Rotlichtradler verursacht! Das muss man sich mal vorstellen! Das sind fast 0,14%!!!

Also ist sonnenklar, dass da was getan werden muss. Das ist fast noch dringender als Steuersenkungen für Zahnärzte und Hoteliers!

Einen Verbesserungsvorschlag hätten wir allerdings noch: Statt der Schranken könnten wir einfach Hürden aufstellen, die überklettert werden müssen. In Erinnerung an ihren Erfinder könnte man sie blau-gelb dekorieren und “5%” draufschreiben.

ps: Eine schriftliche Anfrage an Herrn von Lüdeke, welche Lösungsvorschläge er denn für die anderen 99, 86% Verkehrsunfälle parat hat, ist abgeschickt. Sollten wir eine Antwort erhalten, erfahrt Ihr es hier zuerst!

Getaggt mit , ,

Zitat des Tages

Das Zitat des Tages stammt von Michael Bloomberg, Bürgermeister von New York City.

Er sagte anlässlich einer Verkehrskonferenz an der New York University:

“The streets were there to transport people, they are not for cars[...].

Cyclists and pedestrians and bus riders are as important, if not, I would argue more important, than automobile riders[..]“

Für nicht Anglophone:

“Strassen wurden gebaut, um Menschen zu transportieren, sie sind nicht für Autos da[...]

Radfahrer und Fußgänger und Buspassagiere sind genauso wichtig, wenn nicht, wie ich behaupten würde, wichtiger als Autofahrer[...]“

(Quelle: Bloomberg says mass transit, cyclists ‘more important’ than drivers who clog roads, New York Post)

Getaggt mit , ,

Ski-Rambos entstellen Olympia-Park

Der Münchner Olympiapark. Ein auf der ganzen Welt einzigartiges architektonisches Meisterwerk. Ein Symbol für heitere Spiele, für eine moderne, junge Weltstadt München, für ein weltoffenes Deutschland, sollte er sein, und ist er geworden, dank der Tatkraft Hans-Jochen Vogels und dem Genie von Günter Behnisch, Frei Otto und Otl Aicher.

Allerdings scheint die Stadtspitze dieses Juwel vor allem als finanzielle Belastung zu verstehen. Und daher hat die Olympiapark GmbH offensichtlich die Anweisung, jede Zumutung zuzulassen, sofern sie nur ein paar Euro einbringt. Ein Park, ein Weltdenkmal, geführt als Profit Center.

Die Auswüchse dürfen wir turnusmäßig bewundern. Im Sommer wird der Park mal kurzerhand voll-gesperrt, damit Daimler, BMW und Konsorten sich beim Pseudo-Motorsport-Event präsentieren (und die Bewohner des olympischen Dorfes eine Woche lang mit infernalischem Lärm quälen) können.

Und allwinterlich mein besonderer Liebling: Ab Mitte November wird der Olympiasee abgelassen, die Tieflader und Schneekanonen rücken an, denn Red Bull und Audi, der Partner des DSV, haben sich in den Kopf gesetzt, den Skisport nach München zu bringen, koste es was es wolle. Dafür darf man sich dann schlappe 8 Wochen lang (also ein Sechstel des ganzen Jahres) eine unansehnliche Großbaustelle ansehen statt eines winterlichen Sees mit Schwänen, oder Schlittschuhläufern und spielenden Kindern.

Garzweiler2

Baustelle Olympiapark

Nein, das ist nicht Garzweiler II, das sind die Vorbereitungen für den “City Event” Parallelslalom am 1.1.2013

Die Gehirnwäsche mit “der Park ist so teuer, der muss sich selber finanzieren” hat schon gut geklappt. Natürlich ist es sinnvoll, Rücklagen für die aufwändige Instandhaltung der Anlagen zu bilden. Das hat der Park zwischen 72 und 05 auch gut geschafft, mit reichlich Überschuss.
Es erwies sich, dass Verseilung und Dach dauerhafter waren als gedacht – zunächst glaubte man, die Seile nach 10-15 Jahren ersetzen zu müssen, es halten aber immer noch die original Verbauten.

Andere städtische Parks kosten auch Geld. Die New Yorker leisten sich die 38,5 Mio $ pro Jahr -mehr, als der Oly kostet- auch für ihren Central Park, das klappt über gemeinnützige Stiftungen, ohne, dass da Red Bull creative suicide Events oder Nascar-Rennen stattfinden.
Der Olympiapark kostet weniger… und ist mehr als nur ein Park, er war mal ein Symbol. Allerdings sind die Werte, für die er stand, ein weltoffenes Deutschland ohne Großmachtgetue und Nazipomp, wohl nicht mehr populär.
Dafür wird er als Profit-Center geführt, er muss möglichst viel Geld verdienen, was die Kosten nach oben treibt, man muss ja attraktiv sein.

Im Prospekt der GmbH wird ganz schamlos der Coubertin-Platz als Eventarreal vermarktet. Da ist die Grenze zum Gedanken eines Stadtparks für die Münchner und Gäste komplett abhanden gekommen.

Ein dämliches Skirennen belastet den Park für 2 von 12 Monaten enorm, wie man auf dem Bild sieht, und damit verdient man ein Milliönchen. Der Stadthaushalt beläuft sich über 5,7 Milliarden, nur so als Vergleich. München geht nicht pleite, wenn der Zirkus verschwindet.

Der Stuss, der unter Ude im Olympiapark stattfindet, ist mittlerweile zahlreich. Für den Stadionneubau wurde zum Beispiel der Standort des alten unnutzbaren Radstadions diskutiert – ging leider nicht, denn just 2 Jahre zuvor war das Ding für 99 Jahre an einen Betreiber verpachtet worden. Dieser ging kurz darauf mit seinem “Olympic Spirit” vorhersehbar pleite.

So hätte man die Sportstätte in der Stadt halten können und die vorhandene Infrastruktur weiterhin nutzen. Jetzt hat man einen U-Bahnhof und ein Parkhaus -Europas Größtes- im Nichts, die der Stadt auf dem Säckel liegen, und ein ungenutztes Olympia-Arreal dazu.

http://www.architektengruppe-olympiapark.de/

Getaggt mit ,

Best of Google

Ich habe neulich entdeckt, dass der Blog-Hoster mir auch anzeigt, welche Suchbegriffe Besucher auf diese Seite geführt haben*)

Hier eine kleine Liste der Highlights. Bei den meisten muß ich mich wohl dafür entschuldigen, dass sie nicht ganz gefunden haben, was sie finden wollten :D

rotlicht radfahrer polizei das handwerk legen
rücksichtslose radfahrer
rowdy-radfahrer münchen
ramsauer spinner
sauerland typische kopfbedeckung
mütz mit ventilator ist das gut
verhüten mit kristallkugel

*) Nein, ich kann nicht sehen, *wer* danach gesucht hat. Nur den Suchbegriff. Keine Angst! :)

Getaggt mit

“Sandy” bringt die New Yorker aufs Rad

Die Verwüstungen, die der Sturm “Sandy” ausgelöst hat, haben wir alle noch vor Augen. Zu den betroffenen Gebieten gehörte auch New York.

In Teilen von Manhattan war über Tage all das nicht vorhanden, was normalerweise dort den Verkehr am Laufen hält: U-Bahnen fuhren nicht, Verkehrsampeln hatten keinen Strom, Benzin war nur wenig verfügbar.

Die New Yorker, berühmt für ihr Imrovisationsgeschick, lösten das Problem auf ihre Weise und stürmten die Radgeschäfte, wie “DNAinfo.com” berichtet. Manche Radhändler verkauften fünfmal mehr Räder pro Tag, die Mechaniker waren ausgebucht, außerdem wurden spontan Reparaturstationen und sogar “Valet Parkings” eingerichtet. Auf manchen Brücken in New York sollen “endlose Radfahrerströme” gesichtet worden sein :)

Blogger Daniel Honan stellt in seinem Artikel “DIY Urbanism” fest, dass trotz oder wegen der plötzlichen Vielzahl von Radfahrern und Fußgängern und der Abwesenheit von Verkehrsampeln sich der Verkehr sicherer anfühlte und die New Yorker im Verkehr erheblich rücksichtsvoller und freundlicher miteinander umgingen als sonst:

“The streets actually seemed safer even though the traffic lights were all out downtown. New Yorkers actually seemed more aware of each other and genuinely more attentive to each others’ needs. It was as if part of our brains had suddenly turned on, allowing us to creatively re-imagine the human environment around us. ”

Das mag zum Teil auch an dem typischen “Zusammenhalten” gelegen haben, die sich nach solchen Katastrophen einstellt. Und es wäre naiv zu glauben, dass der Effekt anhält… aber es mag bei dem Einen oder Anderen den Beginn eines Denkprozesses ausgelöst haben.

Ebenfalls beachtenswert ist der zweite Gedanke, den Honan entwickelt:

“While many urban centers have used top-down planning to build necessary infrastructure like bike lanes to support transportation alternatives, the viability of these improvements will ultimately be determined from the bottom-up”

Das Umdenken fängt bei den Einzelnen an.

Getaggt mit , ,
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 31 Followern an

%d Bloggern gefällt das: