Kurze Durchsagen ’14 Teil IX: Herford, Lastenräder in München, Ausstellung in Hamburg

Herford: Man traut seinen Augen kaum, aber sogar das gibt es im Autoland Deutschland: Die Stadtverwaltung Herford hat eine angenehm unaufgeregte, sachlich richtige und freundliche Mitteilung zum Fahrbahnradeln auf ihrer Webseite: “Radfahrer sind sicherer auf der Fahrbahn”

München: Der ADFC München hat die Initiative “Daniel – Dein Lastennrad für München” lanciert. Es hadelt sich um ein Leihangebot für ein Lastenrad, das Münchnerinnen und Münchnern kostenfrei zur Verfügung steht.

Mehr Info in diesen TV-Ausschnitten:

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/abendschau-der-sueden/lastenfahrrad-muenchen-verleih100.html

http://www.muenchen.tv/mediathek/kategorie/nachrichten/gesellschaft/video/lastenrad-die-kostenlose-transport-alternative/#.U5qkQkBAdnQ

Hamburg: In Zusammenarbeit mit dem (empfehlenswerten) Magazin “Fahrstil” läuft zur Zeit im Hamburger “Museum der Arbeit” die Ausstellung “Das Fahrrad. Die Schau zeigt mit über einhundert Exponaten einen Überblick über 200 Jahre technische Entwicklung, Design und Radl-Kultur.

Unbedingt sehenswert!

http://das-fahrrad.org/ausstellung/

 

http://www.lastenrad-muenchen.de/

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/abendschau-der-sueden/lastenfahrrad-muenchen-verleih100.html

http://www.muenchen.tv/mediathek/kategorie/nachrichten/gesellschaft/video/lastenrad-die-kostenlose-transport-alternative/#.U5qkQkBAdnQ

http://www.herford.de/Rathaus-Politik/Verwaltung/Presse/Radfahrer-sind-sicherer-auf-der-Fahrbahn-.php?object=tx|2044.270.1&ModID=7&FID=1050.2320.1&NavID=2044.238&La=1

http://das-fahrrad.org/ausstellung/

Es ist vernünftig, einen Helm zu tragen

Liebe Leserin, lieber Leser!

Schaut Ihr täglicher Arbeitsweg aus wie in folgendem Video?

Tun Sie so etwas eventuell sogar beruflich?

(Gut, ich gebe zu, dass es subjektiv zur Rush Hour auf dem Radweg der Ludwigstrasse ähnlich zugeht, allerdings objektiv selten bei Puls bei 200+ und Tempo 70)

Ja?

…ehrlich??

 

..dann -und nur dann- *könnte* es sinnvoll, vernünftig, empfehlenswert sein, einen Helm zu tragen. Sonst allerdings eher nicht.

 

 

Münchner Verkehrspolitik unter Schwarz-Rot

München wird nach dem länglichen Hickhack um das Rathaus ja nun von einer schwarz-roten Zweckgemeinschaft regiert, die eigentlich kein Wähler gewählt hatte.

Was wird das für die Verkehrspolitik bedeuten? Einen ersten Vorgeschmack gibt es in der Diskussion um die Straßenbahn-Westtangente, die vom Romanplatz in Nymphenburg über die Fürstenriederstraße zum U-Bahnhof Aidenbachstraße führen soll (oder eben nicht soll), denn eine Straßenbahnlinie heißt natürlich -schockschwerenot!- dass vielleicht die eine oder andere Fahrspur wegfallen könnte.

CSU-Stadtrat Otto Seidl: „Die neue Planung muss ja jetzt beinhalten, dass es keinerlei verkehrlichen Rückbau geben muss“

SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann (zum Münchner Merkur): „Wir haben fest vereinbart, dass die Tram-Westtangente kommt, wenn sie den Verkehr nicht wesentlich beeinflusst.“

Aaaah ja. Verkehrsplanung, die den Verkehr nicht beeinflußt. Das ist Schwarz-Rot 2014. Wir gartulieren. Und im Zweifelsfall machen wir ein Bürgerbegehren. Herzlichen Glückwunsch, so macht man Realpolitik, und wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.

 

http://www.merkur-online.de/lokales/muenchen/stadt-muenchen/tram-ausbau-schwarz-rot-uneins-ueber-westtangente-3630483.html

 

Ach und übrigens:

Vor gut 70 Jahren drangen die ersten Kampfradler auf dem europäischen Kontinent ein:

Kampfradler, um 1944

Kampfradler, um 1944

So mancher selbsternannte Kampfradler-Jäger kann seine ideologischen Wurzeln also bis 1942 (Kaukasus) zurückverfolgen.

Frankreich: Arbeitnehmer bekommen Prämie fürs Radeln

Frankreich: In einem Modellversuch werden Arbeitnehmer einiger Firmen finanziell entschädigt, wenn sie mit dem Rad zur Arbeit fahren, berichtet road.cc. Initiator ist das Ministerium für “Ökologie, nachhaltige Entwicklung und Energie”, am Piloten nehmen 19 Firmen mit gemeinsam 10.000 Angestellten teil. Für das Pendeln per Rad werden 25ct/km erstattet. Bei Erfolg soll der Pilot ausgeweitet werden.

Ähnliche Modelle existieren in England, Schweden und Belgien: Belgien erlaubt einen steuerfreien Zuschuss des Arbeitgebers zur Anschaffung eines Rades, Schweden eine steuerfreie km-Pauschale. In England existiert das “Cycle to Work“-Programm, das es Arbeitgebern erlaubt, ihren Angestellten steuerfrei Fahrräder und Radbekleidung zu leihen.

…und im Autoland Deutschland? Wir subventionieren E-Autos…

http://road.cc/content/news/120576-france-trials-paying-people-ride-bike-work

http://en.wikipedia.org/wiki/Cycle_to_Work_scheme

“ich zahle Steuern, also gehört die Straße mir”

“ich zahle Steuern, also gehört die Straße mir” – den Spruch kennen wir Radler gut, auch von eigentlich vernünftigen Leuten wie dem Münchner FDP-Fraktionsvorsitzenden Dr. Mattar bekommt man ihn zu hören.

Stimmt das überhaupt? Nein, meint dieser Artikel in der “Zeit”: Prof. Dr.-Ing. Udo J. Becker, Inhaber des Lehrstuhls für Verkehrsökologie an der TU Dresden, hat in einer Studie die öffentlichen Ausgaben für den Autoverkehr auf 85 bis 90 Milliarden Euro/Jahr berechnet – mehr als 1000€ pro Bürger.

Auch der VCD klärt auf und berichtet von einer Studie der ICLEI, die die Kostendeckung des Autoverkehrs unter die Lupe genommen hat. Bau und Unterhalt von Parkplätzen, Beleuchtung, Straßenreinigung und andere Posten sind im Schnitt nur zu 15-45% gedeckt und belasten somit Kommunen und Gemeinden nach dieser Rechnung mit rund 150€/Jahr und Bürger.

http://www.zeit.de/2014/22/stimmts-subvention-autoverkehr-bahn

http://www.vcd.org/kostenwahrheit.html

Gleichberechtigung in den Köpfen..?

Deutsche Realtität in der “Radlhauptstadt” (bzw: wahrscheinlich wohl ex-Radlhauptstadt) anno 2014.

Situation: Der mucradblogger verdient seine Brötchen bei einem alteingesessenen Industrieunternehmen, das mittlerweile zum Konzern aufgestiegen ist. Der Standort platzt aus allen Nähten. Ein Teil der Belegschaft, darunter wir, wird in ein anderes Gebäude verlagert, das einige Meter entfernt vom Campus liegt. Die hochrangige Konzernspitze tritt an, um Fragen dazu anzunehmen.

Wichtigste Frage Von Allen (natürlich): Werden genügend Parkplätze zur Verfügung stehen? (Wie bisher im Firmenparkhaus parken und dann die 10 Minuten per pedes zurückzulegen, ist natürlich indiskutabel und würde außerdem nicht als “Arbeitszeit” gelten)

Lassen wir mal beiseite, dass es eine U-Bahn-Station vor der Haustüre gibt und das ganze Gelände im Stadtgebiet liegt. Lassen wir ebenfalls beiseite, dass diese Frage mit großer Ernsthaftigkeit diskutiert wird, die ebenfalls gestellte Frage nach Fahrrad-Abstellplätzen dagegen mit mildem Gespöttel beiseite gewischt wird. Es gibt eine längliche Diskussion über das wichtige Thema.

Später: Diskussion der Fragestunde unter Kollegen. Großes Gejammer, weil für 250 Arbeitsplätze nur 60 Parkplätze geplant sind.

Wieso wird man eigentlich angeschaut, als wäre einem gerade ein dritter Arm gewachsen, wenn man anmerkt, dass das doch passen würde: 60 Autos, jedes hat 4 Sitzplätze…?!

Es ist noch ein weiter Weg…

Das online-Portal der Stuttgarter Zeitung berichtet von einem Termin, bei dem der regierende Oberbürgermeister von Stuttgart, Fritz Kuhn von den Grünen, gemeinsam mit dem ADFC-Kreisvorsitzenden Frank Zühlke sich per Fahrrad über existierende Probleme informiert hat.

Vielleicht liegt es nur an der Wiedergabe durch den Reporter, aber da fallen Sätze, bei denen man gewaltig ins Stutzen kommt:

Der OB wird zitiert mit dem Satz:

„Im Grunde ist es ein Konflikt Leute kontra Radfahrer“

Also sind Radfahrer keine “Leute” sondern stehen im Konflikt mit diesen? Oder wie?

Noch spannender ist aber die Kausalkette, die der Bürgermeisters am Schluß des Artikels aufbaut:

Die Situation der Radfahrer ließe sich deutlich ­verbessern, wenn sich die Autofahrer ­exakt an die Verkehrsregeln und Parkvorschriften halten würden, sagte der OB. „Doch das kann nur mit ständigen Kontrollen und Strafen erreicht werden.“ Werde aber zu häufig kontrolliert, steige die Ag­gres­si­vi­tät ­gegenüber den Radfahrern und sie würden weniger akzeptiert.

In solchen Aussagen läßt sich ganz gut die innere Grundeinstellung erkennen. Radverkehr, schön und gut, aber der hl. Autoverkehr oder die “Leute” sollen um Himmels Willen nicht inkommodiert werden.

Gut, die Grünen in BaWü erleben gerade die Unterschiede zwischen Oppositionsarbeit, wo man schön Forderungen stellen kann, und der Regierungsarbeit, wo man mit der harten Realität konfrontiert wird, nichtsdestoweniger frage ich mich, ob die ehemalige Umweltschutzpartei für Radfahrer noch der richtige Adressat ist. Außer “Helmpflicht” scheint denen, insbesondere im Ländle, nichts einzufallen. Traurig, wenn man von Fahrradverkehr-Entwicklungsländern wie England allmählich rechts und links überholt wird.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.radfahren-in-stuttgart-radlerlobby-kritisiert-zu-enge-wege.faf8893b-63f5-48af-94f4-b7ab9c6cb437.html