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Die Münchner Stadtpolitik zeigt auch im Kleinen, wie wichtig ihr ein modernes, nicht mehr ganz so autozentriertes Verkehrskonzept ist.

In Bogenhausen verteidigt der Bezirksausschuß mit Nägeln und Klauen jeden einzelnen Parkplatz, und zwar buchstäblich. Vor einem Supermarkt sollte Ein Autoparkplatz in 8 Radabstellplätze umgewandelt werden, so der Vorschlag. Natürlich nicht zu machen, vor allem nicht mit der neuerdings so grünen staatstragenden Einheitspartei Bayerns. Zwar gebe es eine Tiefgarage, diese sei aber „schlecht“, so der Sprecher der CSU, Xaver Finkenzeller.

Unser Motto sei „kein Schritt zu Fuß, wenn man auch Fahren kann“.

Artikel in der „sz“: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/bogenhausen-ein-auto-statt-acht-raeder-1.2501214

Da können die Schwabinger selbstverständlich nicht hintanstehen. An den Schulen am Elisabethmarkt herrscht ebenfalls Radabstell-Chaos. Rollstuhlfahrer müssen sich ihren Weg durch die Räderhaufen bahnen. Der Vorschlag, eine Handvoll Auto-Parkplätze an der Agnesstr. zu opfern, stieß auf taube Ohren: „Auf keinen Fall“, so Ingrid Braunstorfinger von der, richtig geraten, CSU.

Artikel in der „sz“: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/schwabing-mehr-platz-fuer-fahrraeder-gefordert-1.2512557

Dazu passt ein schönes Zitat aus Berlin: Hier hat ein sogenannter „Verkehrsexperte“, ein gewisser Ole Kreins, diesmal von der SPD, gesagt:

Man dürfe Nach dem Fehler der autogerechten Stadt [..] jetzt nicht den Fehler der fahrradgerechten Stadt begehen„.

Das ist so selten dämlich, dass es fast schon wieder lustig ist. Die „autogerechte Stadt“ brachte uns was nochmal genau? Feinstaub, Smog, Lärm, -zig Verletzte und Tote – Ja, das sind alles Dinge, die bei einer „fahrradgerechten“ Verkehrsplanung ebenfalls drohen. Müssen wir verhindern. Um jeden Preis.

Artikel im „tagesspiegel: http://www.tagesspiegel.de/berlin/verkehr-in-berlin-die-fahrradgerechte-stadt-ist-keine-bedrohung/11899824.html

Eine letzte Nachricht, die selbstverständlich keinerlei Zusammenhang mit obigen Dingen aufweist:

Alle deutschen Städte sind in der Rangliste der 20 Radfahrerfreundlichsten Städte, erstellt von „copenhagenize“ zusammen mit dem Magazin „Wired“, zurückgefallen – die Radlhauptstadt München hat die Liste sogar ganz verlassen. Und das, obwohl München, Berlin und Hamburg zu den ganz wenigen Millionenstädten gehören, die deutlich zweistelligen Fahrradanteil im „modal Split“ besitzen.

Jetzt muß man jede solche Liste, in der der kanadische T-Shirt-Verkäufer Coleville-Andersen seine Finger hat, mit Vorsicht genießen – er liebt die deutschen Kommunen und auch die Radverkehrsaktivisten nicht besonders, weil sie penetranterweise darauf bestehen, dass auch Radverkehr Verkehr ist und auch funktionieren kann, wenn er nicht hermetisch vom Rest der Welt abgesperrt stattfindet – aber da trifft er den Nagel auf den Kopf.