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Eurobike Friedrichshafen, 2013: Bis zu diesem Jahr hat sich kein Verkehrsminister bei der „Eurobike“, immerhin die Leitmesse für Fahrräder, blicken lassen. Dieses Jahr gab sich sogar die Kanzlerin die Ehre. Was natürlich keinesfalls fehlen durfte, war ein Appell an die Verkehrsmoral, schließlich sind wir alle Verbrecher. Hat sie bei der IAA eigentlich auch die Autofahrer an die Einhaltung der Verkehrsregeln erinnert? Wahrscheinlich nicht, sonst werden der ADAC, die Branchenverbände oder die Hersteller böse, und das kann ja nun wirklich keiner wollen. Immerhin fiel dem Spiegel auf, dass hier mal wieder nach Gefühl argumentiert wird und nicht nach Faktenlage.

„Radfahrer halten sich nicht an die Verkehrsregeln“: Der Meinung ist ja auch unsere alternativlose Kanzlerin, wie wir eben erfahren haben. Kontrastprogramm: Auf der A92 bei München galt im Bereich Freising wegen der Hitzeaufbrüche Tempo 80. In 8h wurden 430(!) Autofahrer geblitzt, meldet der „Münchner Merkur“. „die Polizei war kulanter als sonst, sie hat erst ab 120 km/h geblitzt“ – die Sorte Kulanz wünschen wir Radler uns natürlich auch :)

Eurobike Friedrichshafen 2013, die Zweite: Wie bereits 2012 und 2011 gibt es auch dieses Jahr wieder einen Boom bei den E-Bikes :D Der Branchenverband addiert einfach jedes Jahr die bisher verkauften Exemplare zusammen und erklärt die Summe zu „xxx Pedelecs auf deutschen Strassen“, die Dinger scheinen nicht kaputtzukriegen sein. Naja, auf unserem Firmenparkplatz zähle ich bis zu 400 Räder an guten Tagen, und davon ziemlich konstant ungefähr 5 Pedelecs, also könnte es durchaus sein, dass die Millionen Exemplare sich eher mit ausgelaugtem Akku im Keller befinden als auf den Strassen? Aber wenn oft genug darüber gelärmt wird, wird das schon noch ein Trend Bis dahin freuen wir uns auf den „Boom bei den E-Bikes“ pünktlich zur Eurobike 2014.

Wissenswertes über Erlangen (Sorry, der mußte sein): Die „Fahrradstadt Erlangen“ hat eine Studie über „Sicherheit im Fahrradverkehr“ vorgelegt. Überraschungen stehen keine drin, eher das, was eh Konsens ist (außer bei Kanzlerinnen, Verkehrsministern und Verkehrsgerichtspräsidenten):

  • Radfahren ist generell gefährlich? Nein, 85% der Unfälle gehen glimpflich aus.
  • Radlrambos gefährden Fußgänger? Nein, nur 5% aller Radl-Unfälle sind Fußgänger-Radfahrer, und nur bei einem Drittel davon (37%) war der Radfahrer schuld.
  • Radlrambos gefährden Autofahrer? Nein, nur bei 2% der Unfälle Radfahrer-Autofahrer kam es zu (leichten) Verletzungen der Autoinsassen
  • Radwege sind sicher? Garantiert nicht: „Fast jeder zweite Unfall zwischen Radfahrern ist ein Unfall im Längsverkehr (Abb. 14). Knapp drei Viertel dieser Konflikte geschehen auf einem Radweg.“ Auch die relativ vielen Unfälle wegen „Benutzung der falschen Fahrbahnseite“ kann man den Radwegen ankreiden. Ich kenne jedenfalls niemanden, der auf der Strasse links fährt.

Auch die sehr schön dargestellten Beispiele von Unfallschwerpunkten zeigen einen eindeutigen Trend: Sämtliche Unfallschwerpunkte außer einem sind Krezungen mit Radwegen. In den meisten Fällen werden KfZ-Fahrer als Unfallverursacher genannt.

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