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Engagierte Radler, die sich um sowas Gedanken machen, wussten es schon immer, der Gesetzesgeber weiß es, die aktuell immer noch gültige gesetzliche Regelung für Fahrradbeleuchtung ist Müll. Sie stammt aus der Zeit, als Seitenläufer-Dynamos mit Wirkungsgrad im einstelligen Bereich und wackelige Glühbirnderl (2,4W vorne, 0,6W hinten) immerhin besser waren als Karbid-Lampen. Gelegentliche eher halbherzige Versuche, das ganze Brimborium wenigstens auf den technischen Stand der frühen Nachkriegszeit zu bringen, scheiterten vorhersehbar in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mal, es gibt schließlich Wichtigeres. Zuletzt lehnten die Länder 2006 einen durchaus durchdachten Änderungsvorschlag ab in einem seltenen Anfall, „überflüssige bürokratische Regelungen“ zu vermeiden. Die Burschen wissen eben, wo man mit sowas anfangen muß :D

Jetzt gibt es erneut einen Vorstoß, sogar schon einen Abgeschlossenen, den der „Spiegel“ durchaus süffisant filettiert. Scheinbar lief das so:

Erst dilettiert das Ministerium unseres Radfahrerfreunds Ramsauer seit geschlagenen 4 Jahren an neiner Neuregelung herum und kommt nicht zu Potte. Deswegen sauer, führte das Land Niedersachsen einen Alleingang durch und legte einen Vorschlag vor, der komplett daneben war – er sah unter anderem eine „Restladezeit-Anzeige“ vor, die kein einziges handelsübliches Gerät besitzt. Deshalb wurde jetzt in einer Blitzaktion ein Gegenvorschlag durchgepaukt. Hat natürlich alle vollkommen überrascht, das Thema ist ja auch erst seit schlappen 13 Jahren in der Mache.

Daher hat man in der Eile vergessen, einige vorsätzlich schwachsinnige Passagen zu streichen. Deshalb ist die alte 6V-Vorschrift aus Dynamo-Zeiten, womit ein gut Teil der bereits eingestzten Akkulampen sinnlos illegal gemacht wurden, ebenso drin wie die Vorschrift, dass die Beleuchtung „fest montiert“ sein muss. Was den Sinn einer Akkubeleuchtung natürlich ausmacht, man schraubt sie fest an, und zum Nachladen trägt man das Rad zu Steckdose.

Vielleicht ja auch nur ein Trick gegen bösartige Mietshausbesitzer, die das Abstellen von Fahrrädern in der Wohnung oder auf dem Balkon untersagen? Das kann jetzt keiner mehr verbieten, Tschulliung, Herr Hausmeister, ich muß ja irgendwo meine StVO-konforme Akkulampe aufladen, und am Radständer draußen sind keine Steckdosen… :D

Man muss natürlich Verständnis haben für die armen Beamten. Anders als bei anderen Verkehrsmitteln, vielleicht sogar solchen mit Motor, gibt es hier halt keine Lobby und keine mächtige Industrie, die den Herrschaften detaillierte Vorschläge unterbreitet, welche Vorschriften man haben will und welche nicht.

Herrn Doktor Ramsauers Erfolgsbilanz als Verkehrsminister bleibt also weiterhin ungetrübt:

#Überlegenheitsgefühl #Kampfradler #einmalmitProfisarbeiten, das strotzt nur so vor Kompetenz-Kompetenz (Ede Stoiber), gut gemacht, Peter!