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Bevor ich hier dastehe wie ein Ewig-Gestriger, ein kleines Dementi: weder will ich den Olympiapark als Freilichtmuseum, noch habe ich etwas gegen Fun oder Funsportarten. Der Park soll brummen mit Leben, sonst ist er nur eine leere Hülle.
Ich bin großer Bewunderer von MacAskill, Tony Hawk oder Ken Block. Toll, wenn solche Leute ihr Können in München zeigen!

Ich finde allerdings, dass man dafür nicht jeden Preis zahlen muß. Der Olympiapark ist eine unglaubliche Anlage, keine andere Stadt weltweit hat eine so spektakuläre, ästhetisch überzeugende Park- und Sportanlagen-Landschaft in ihrem Herzen. Nicht wenige Fachleute betrachten den Park in seiner Gesamtheit als eine der ganz großen architektonischen Leistungen des 20. Jahrhunderts. Darauf kann München stolz sein.

Natürlich eignet er sich auch hervorragend für die Durchführung großer Events, und die X-Games passen definitiv besser zum „Oly“ als Autorennen, „Red Bull Crashed Ice“-Spektakel oder 100m lange Skirennen.

Trotzdem sollten gewisse Mindestkriterien eingehalten werden bei der Durchführung solcher Events.

Ich versuche mal, meine Vorschläge dafür zusammenzufassen:

5 Vorschläge für den Olympiapark

1. Der Park ist in erster Linie ein Park und kein Eventgelände

Als städtische Parkanlage erfüllt der Olympiapark vielfältige Funktion. Er ist Erholungsgelände, Ruheoase, Platz zum Abhängen, auch Verkehrsweg für Fußgänger und Radler. Er gehört den Münchner Bürgerinnen und Bürgern und den Gästen aus aller Welt und ist mit seinen eingebetteten Sportstätten und dem weltberühmten Dach ein Wahrzeichen für München und Deutschland.
Er ist auch ohne „Events“ eine Attraktion für München, die 4 Mio Besucher im Jahr begeistert.
Dies ist bei der Vergabe des Geländes an Veranstalter zu berücksichtigen – despektierlich ausgedrückt, sind *sie* die „Eindringlinge“, nicht die normalen Parkbesucher. Veranstaltungen, für die Eintritt verlangt werden soll, sollen bevorzugt *in * den Hallen oder dem Stadion stattfinden. Die Freiflächen sind selbstverständlich ebenfalls nutzbar, die dort stattfindenden Teile der Veranstaltung sollten aber generell allgemein zugänglich sein. Ein Passieren des Parks zu Fuß oder mit dem Fahrrad muß jederzeit möglich sein.

2. Der Park beherbergt Sportstätten, ist aber als Ganzes kein Profit Center

Der Unterhalt der Sportstätten und der Dachkonstruktion ist kostenintensiver, als es ein reiner Park wäre. Daher ist es zu begrüßen, wenn über dort durchgeführte Veranstaltungen ein Beitrag zur Kostendeckung erwirtschaftet werden kann. Dennoch darf der pekuniäre Aspekt nicht das alleinige Kriterium für die Vergabe an Veranstalter sein. Vielmehr ist jeweils abzuwägen, inwieweit die jeweilige Veranstaltung in die Grundidee des Olympiaparks passt. Wenn der negative Effekt auf die Anlage überwiegt, kann man auch auf den einen oder anderen Event verzichten, ohne, dass deshalb München an Attraktivität einbüßt. Es ist Aufgabe der entsprechenden Gremien, des Aufsichtsrats der Olympiapark GmbH u.ä., dies zu überwachen.

2. Der Park ist demokratisch

Hinter dem Park steht die Idee vom „demokratischen Park“: Der Raum soll vom Besucher „in Besitz nehmbar, frei“ sein. Damit vertragen sich keine Absperrungen, Sichtschutzgitter etc.

3. der Park ist autofrei

Der Auto- und Lastwagenverkehr in der Aufbauphase und während der Durchführung der Events ist auf das absolut zum Aufbau bzw. Durchführung des Events Nötige zu beschränken. Die Kontrolle der Einfahrt ist strikt einzuhalten. Weder muß jeder Schraubenschlüssel per PKW angeliefert werden, noch sind Coubertinplatz, Stadionberg oder die Wege als bequeme Parkplätze zu betrachten, solche stehen in der Parkharfe zur Genüge zur Verfügung.
„Shuttle-Dienste“, „VIP Fahrdienste“ u.ä. haben auf den Fußwegen des Geländes nichts verloren, für gehandicappte Personen bestehen an sämtlichen Sportstätten vorgesehene Anfahrtszonen, die ohne Benutzung der Fußwege anfahrbar sind.

4. Finger weg vom Olympiasee!

Der Olympiasee liegt im Herzen des Geländes und bildet mit der Gesamtarchitektur des Parks eine Einheit. Ein Ablassen des Sees stellt einen schwerwiegenden Eingriff in das gestalterische Gesamtkonzept des Parks dar und ist daher nicht akzeptabel.

5. Der „Ehrenbogen“ der Olympiasieger bleibt frei

München ist stolz auf die „heiteren Spiele 1972“ und erweist den Teilnehmern und Siegern seine Reverenz. Die Fläche vor den Siegertafeln steht nicht zur Verfügung als Abstellplatz für Baumaterialien, Baufahrzeuge oder Müllcontainer.

noch ein paar Links:

Webseite von „Behnisch und Partner“ über den Olympiapark

Initiative „Weltkulturebe Olympiapark“ der EIG Olympisches Dorf

Buchvorstellung und Lesung „Demokratisches Grün – Olympiapark München“ in der Architekturgalerie München am 18.7.2013

Es gibt auch interessante Exkursionen des „bdla“, zum Beispiel eine Führung durchs Olympiagelände per Fahrrad am 20.Juli, Details hier. Anmeldung erforderlich!

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