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Wie Mobilität in 20 Jahren (angeblich) aussieht, darüber kann man sich in einer Studie informieren, auf die die „Zeit“ bzw. die „Wirtschaftswoche green“ hinweisen.

Zeit online: „Die Zukunft liegt im Mobilitätspool
Wirtschaftswoche green: „So sieht der Verkehr der Zukunft aus
Die Pressemitteilung: 

In der Studie stehen viele kluge Dinge – Auto verliert seinen Charakter als Statussymbol, vernetzte Mobilität usw. Kann man sich schon so vorstellen.

Warum ich die Studie hier im Blog erwähne?

Es fallen mehrere Dinge unangenehm auf.

1. Die „Zeit“ nennt als Beispiel für eine der 16 Thesen, die für die Studie von 248 Experten bewerten ließ, diese:

„2030: Das traditionelle Eigentum von Fortbewegungsmitteln hat für Endnutzer an Bedeutung verloren“ und „2030: Die Bereitschaft der Endnutzer zur Freigabe persönlicher Daten für Unternehmen (gläserner Kunde) ermöglicht eine optimale Abstimmung von Mobilitätsdienstleistungen auf die individuellen Bedürfnisse.“

Überhaupt scheint man gerne Daten zu sammeln:

„In einem Zentralrechner sind sämtliche verkehrsrelevanten Informationen gespeichert: Tarife, Fahrpläne, Wetterdaten, Staus auf Autobahnen und anderen Straßen und vieles mehr. Aus diesem Datenpool kann sich jeder bedienen, etwa per Smart Phone, um die schnellste, preiswerteste und umweltverträglichste Möglichkeit zu ermitteln, das jeweilige Ziel zu erreichen.“

(Hervorhebung von mir). Das „und vieles mehr“ glaube ich denen auf’s Wort :D

Bin ich der Einzige, den es bei sowas milde gruselt?

2. Bei den möglichen Verkehrsmitteln, die nach der Studie bei der „Multimodalität“ für eine „komfortable, ressourcenoptimale und umweltfreundliche Fortbewegung“ zusammenspielen sollen, kommt alles vor, sogar Kuriositäten wie das Segway (das Pedelec fehlt selbstverständlich auch nicht), aber nur solche, die Geld kosten in Anschaffung und/oder wenigstens Unterhalt.

Was nicht vorkommt, sind Dinge, die wenig oder nichts kosten, zB Das Fahrrad. Oder das gute, alte zu Fuß gehen.

Nebenbei wird ein bißchen für weitere Privatisierung geworben:

„Der Staat müsse sich als Anbieter von Verkehrsdienstleistungen zugunsten der privaten Wirtschaft zurückziehen und nur noch als eine Art Moderator wirken. Die Autoren der Studie glauben, dass die Mobilität der Zukunft teurer wird als die heutige, allerdings auch komfortabler und schneller.“

Was nix kostet, kann nix sein :D Wie heißt es so schön weiter:

„Das System übernimmt zudem die Zahlungsabwicklung.“

Na, dann ist ja alles in Butter. Vor allem für die Förderer der beiden Institutionen, von denen die Studie stammt: Nestlé, Volkswagen, McDonald’s, Procter&Gamble, Deutsche Bank, Coca Cola usw usw usw. Wären’s keine Think Tanks, könnte man meinen, Attac stecke hinter der Sache :D

Ein Inder auf dem Fahrrad erzeugt halt keine Umsätze.

“ Der Markt für multimodale Mobilität wird dominiert von Unternehmen (und Unternehmensclustern), die Mobilität als Dienstleistung bereitstellen.“

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