Schlagwörter

, , , ,

Was einem so auffällt, wenn man routinemäßig die Nachrichtenseiten der regionalen Zeitungen querliest…

Zum Beispiel meine Freunde vom „Münchner Merkur“ (bzw. der „tz“, die gehören zur selben Gruppe und der Webauftritt teilt sich oft Artikel).

Da wurde heute wieder über zwei Verkehrsunfälle berichtet mit nicht unerheblichem „Personenschaden“.

1. Fall: Ein Autofahrer fährt mit vereister Scheibe, übersieht eine 90-jährige Fußgängerin und tötet sie

2. Fall: Ein Autofahrer fährt auf der Autobahn von hinten(!) in einen LKW, der gerade einen anderen überholt, und verletzt sich dabei schwer

Wie titelt der Merkur die entsptrechenden Schlagzeilen?

Antwort: Wie immer. „BMW gerät mit zwei Brummis aneinander“ beziehungsweise „90-Jährige stirbt nach Verkehrsunfall

Auch der Text, vermutlich ohne Änderung der Polizeimeldung, verharmlosend. Keiner war schuld. Bedauerliche Opfer. Passiert eben. Der Fahrer war sowieso nicht schuld, sondern höchstens sein Auto… und „Aneinandergeraten“ kann man ja schon mal. Keine Schuldzuweisungen oder ähnliches, nüchterner Reportagestil. Lakonisch.

Die Frontscheibe des Wagens war am Samstag zum Teil stark vereist – der 67 Jahre alte Fahrer konnte kaum etwas sehen, wie die Polizei mitteilte. Die Frau starb im Krankenhaus.

oder

Nach ersten Erkenntnissen überholte ein Brummi aus dem Landkreis Kulmbach einen Lastwagen aus Österreich. Ein von hinten herannahender BMW-Fahrer aus dem Raum München erkannte die Situation zu spät und touchierte in Folge beide Brummis.

Man könnte jetzt auch sagen, in einem Fall musste ein Mensch sterben, weil einer zu faul war zum Eiskratzen, und im anderen Fall muss der Verursacher entweder im Vollschlaf gewesen sein oder gefahren sein wie eine Gesengte. Zwei LKWs nebeneinander, die kann man schon mal übersehen, wenn gerade auf dem Smartphone was Spannendes passiert.

Mag man sich vorstellen, wie die Berichterstattung ausgesehen hätte, wenn Unfälle mit ähnlichen Folgen durch Radfahrer verursacht worden wären? Könnten wir und vor Radlrambo-Schlagzeilen, Verkehrsminister-Sprüchen und Polizei-Pressekonferenzen, in denen das allgemeine Rowdytum von Radfahrern Thema wäre, retten?