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Radfahrer Absteigen

Radfahrer Absteigen

Ein schönes Schild, das wir alle kennen und lieben.

Leider ist sein Auftrag etwas undefiniert. Zunächst einmal ist die Frage, an wen es sich eigentlich richtet, weniger eindeutig, als es zunächst scheint. Es richtet sich an „Radfahrer“, soweit, so klar. Nur, wie ist dieser definiert?

Wenn wir die These aufstellen:

Ein Radfahrer ist ein Mensch, der auf einem Rad fährt

dann stehen wir sofort vor folgendem Dilemma:

Ein Radfahrer hört in dem Moment, in dem er abgestiegen ist, auf, ein Radfahrer zu sein. Also darf er im selben Moment wieder aufsteigen und wird damit wieder zum Radfahrer (usw.). Das ist dann wie mit der Katze, der man ein Butterbrot auf den Rücken gebunden hat.

Jetzt kann man die Gegenthese aufstellen, dass ein Mensch, der ein Fahrrad besitzt, ein Radfahrer ist, und zwar unabhängig davon, ob er aufgestiegen oder abgestiegen ist (Radfahren als Eigenschaft des Ichs im Hegel’schen Sinne). Gut. Jetzt steht da aber nicht „Radfahrer schieben“ oder „Radfahrer zu Fuß gehen bis zum Ende der Baustelle“, sondern nur „absteigen“, ohne Angabe wie weit oder wie lang. Es dürfte also dem Sinne des (im übrigen eh nicht offiziellen) Zeichens genügen, den Boden kurz mit beiden Beinen zu berühren. Das sollte hieb- und stichfest den Tatbestand „abgestiegen“ erfüllen.

Fall also geklärt? Mitnichten. „Radfahrer“ kann ja auch ein Beruf oder eine Berufung sein und ist damit ein Dauerzustand. Nicht selten kommen Menschen auf mich zu und beginnen ein Gespräch mit den Worten „He mucrablogger, Du bist doch Radfahrer…“ – selbst, wenn weit und breit kein Rad in Sicht ist und ich gemütlich auf meinem Bürostuhl hänge. So jemand ist also immer Radfahrer, nicht nur, wenn er Rad fährt.

Was also, wenn dort ein Radfahrer ohne Rad (zB. Jan Ullrich im Porsche) vorbeikommt. Aber halt, der ist ja nur Ex-Radfahrer und darf daher wohl sitzen bleiben.

Ebenso ist das mit dem „Absteigen“ so eine Sache. Was wäre, wenn z.B. ein Fußballspieler des TSV 1860 auf dem Rad vorbeikommt. Oder der Trainer von Frankfurt. Ist ein Fußballer auf dem Rad mehr Radfahrer als Fußballer, muss er also im radfahrtechnischen Sinn absteigen, oder im fussballtechnischen Sinn?
Was erst, wenn es sich bei dem ankommenden Radfahrer um einen Spieler mit ausgeprägten Ego („Ein Lothar Matthäus steigt nicht ab!“) handelt? Gut, der Lothar fährt wahrscheinlich eher selten Rad. Aber was ist mit Spielern des VfL Bochum – die firmieren ja auch unter „die Unabsteigbaren“?

Übrigens, um die Sache noch weiter zu verkomplizieren, es können ja auch Radfahrer im übertragenen Sinne absteigen. Inhaber einer B- oder A-Lizenz sollten solche Baustellen sicherheitshalber großflächig umfahren, wenn sie sich nicht unversehens in der C-Klasse wiederfinden wollen….