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Einen besonders hübschen Artikel habe ich im online-Angebot des „Merkur“ gefunden. Dieses Prachtsück muß man schon mehrmals lesen. hier der Link: Merkur Online: Rennradfahrer geht Mazdafahrer an den Kragen

Soweit, nach dem ersten Lesen, alles klar: Böse Radl-Rambos malträtieren unschuldigen Autofahrer.

Aber es lohnt sich, den Artikel noch einmal zu lesen und sich dann zu fragen, was eigentlich passiert ist.Ich übersetze mal:
Eine Gruppe Radfahrer fahren nebeneinander auf einer verkehrsarmen Strecke (Ortsunkundige: glaubt mir. Die Straße *ist* verkehrsarm. Zumal am Sonntag). Ein von hinten ankommender Motorist kann nicht gleich überholen. Er probiert es aber trotzdem, obwohl er offensichtlich nichts sieht, und wegen völlig überraschend auftauchenden Gegenverkehrs muss er den Überholvorgang abbrechen, was natürlich nur durch großes Geschick und fahrerisches Können des armen Opfers möglich ist „Am Ende des Überholvorgangs kam dem Mazda-Fahrer ein Auto entgegen, gerade eben noch konnte der Dietramszeller einen Zusammenstoß verhindern.„.

Was sagt nochmal die StVO zum Überholen?

§5 (2) Überholen darf nur, wer übersehen kann, daß während des ganzen Überholvorgangs jede Behinderung des Gegenverkehrs ausgeschlossen ist.

Gilt natürlich nicht beim Überholen von Radfahrern, die da nur zum Spaß herumrollen, um hart arbeitende Autofahrer zu stören.

Und zum Nebeneinanderfahren von Radfahrern?

§2 (4) Radfahrer müssen einzeln hintereinander fahren; nebeneinander dürfen sie nur fahren, wenn dadurch der Verkehr nicht behindert wird.

Eine „Behinderung“ ist das noch nicht, wenn man wegen eines einzelnen Verkehrsteilnehmers im Gegenverkehr nicht gleich überholen kann oder -Gott behüte!- am Lenkrad drehen oder sogar den Fuß vom Gas nehmen muss. Sonst würde sich jeder Traktor und jeder LKW der Verkehrsbehinderung schuldig machen.
An dieser Stelle sei die Anmerkung erlaubt, dass die bewusste Straße eine kleine Landstraße ist und man auch dann in den Gegenverkehr muss, wenn man einen einzelnen Radfahrer überholen will.

Nun gut, zurück zum Text: Als er nach endlich geglücktem Überholvorgang (überraschenderweise ohne weitere Flur- und sonstige Kollateralschäden) im Rückspiegel sehen musste, dass die bösen Radfahrer keine Lehre aus der gefährlichen Situation, die er selber verursacht hatte, zogen, sondern weiterhin nebeneinander(!) fuhren, übermannte den Fahrer endgültig der gerechte Zorn:

„Dass die Radler, die die gefährliche Situation nach seiner Schilderung erkannt hatten, weiterhin nebeneinander fuhren, brachte den Autofahrer auf die Palme. Bei nächster Gelegenheit stoppte er und stellte die Gruppe zur Rede.“

Das unterstützt ja auch bekanntermaßen die Polizei, dass Verkehrsteilnehmer ihre Meinungsverschiedenheiten untereinander regeln. Nimmt ihnen Arbeit ab.

Bis dahin hatte also der Herr Motorist eine Verkehrsgefährdung (Überholen trotz Gegenverkehr) und eine Nötigung (Anhalten der Radfahrer) auf dem Kerbholz, die Radler dagegen rein gar nichts. Scheint dem Reporter bzw. dem Texter der Polizei-Pressemitteilung nicht wirklich aufgefallen zu sein.

Dass der Motortourist außerhalb seines machtverleihenden Blechhaufens sich unversehens in einer 2:1 Situation befand, den Kürzeren zog und ein paar auf die Mütze bekam, ist natürlich aufs Schärfste zu verurteilen. Nicht zur Nachahmung empfohlen, liebe Leser!

Wir gratulieren dem Münchner Merkur zu seiner ausgewogenen und neutralen Berichterstattung!

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